Bader

Aus Mittelalter-Lexikon
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Bader (mhd. badstöver, stubekneht, -meister; mlat. stupenator; lat. balneator). Im 13. bis 15. Jh. waren öffentliche ®Badhäuser weit verbreitet, im Bader war ein eigener Beruf entstanden. Von ihm verlangte man beim Baden Hilfe bei der Körperreinigung und -pflege, wozu auch das Rasieren (s. Rasur) zählte. Zu diesen Dienstleistungen an der Körperoberfläche kamen im Laufe der Zeit immer mehr Verrichtungen der niederen Heilkunst: Massage (mhd. riben), Aderlassen, Schröpfen, Klistieren, Wundpflege, Salben-und Pflasterherstellung, aber auch kleine Chirurgie, wie Zahnziehen und das Einrichten von Knochenbrüchen und Verrenkungen u.ä. Trotz aller Kunstfertigkeit bei Tätigkeiten, die dem studierten Arzt verächtlich waren, wurde der Bader den ®unehrlichen Leuten zugezählt. Als Urheber der Anruchtigmachung wird man die Kirche ansehen dürfen, die gegen das gemeinsame Baden von Männlein und Weiblein (balnea mixta), gegen die Badhausprostitution und gegen den aus heidnischer Zeit überkommenen Brauch der ®Seelbäder (balnea animarum) zu Felde zog. Die Infamierung hatte zur Folge, dass Bader von Ämtern und Gilden ausgeschlossen waren. Erst um die Mitte des 14. Jh. entstanden erste Zünfte der Bader und der Barbiere; gelegentlich fanden sie auch Aufnahme bei anderen Zünften, so z.B. in Basel, wo sie 1361 der Zunft der Maler, Sattler und Sporer angehörten.
Der Baderlehrling (Baderknecht) lernte sein Gewerbe bei einem Meister. Nach zwei- bis vierjähriger Lehre kam er in den Stand eines "mittelers", bevor er zum Gesellen ernannt wurde, auf Wanderschaft ging und bei anderen Meistern auslernte. Nach Ablegen einer Meisterprüfung durfte er sich selbständig machen.
Ausnahmsweise wurden Bader ehrlich gemacht, fanden Aufnahme in anderen Zünften (etwa der Schmiede) oder gründeten eigene Zünfte (Zürich 1336; Würzburg 1373; Hamburg 1375).
Aus dem Stand der Bader und ® Barbiere ging im 14. Jh. derjenige der niederen ® Wundärzte hervor.