Buße (Theol.)

Aus Mittelalter-Lexikon
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Buße (Theol.; mhd. buoze, ahd. buoza = Besserung, Abhilfe; lat. poenitentia). Sündige Gedanken, Worte und Werke ziehen göttliche Strafen im Diesseits und/oder Jenseits nach sich, die durch Buße abgewendet werden können. Der Priester erteilt dem reuigen Sünder nach dem Sündengeständnis (Beichte) die Lossprechung (Absolution) unter Auferlegung eines Bußwerkes. Als Bußwerke galten Gebete, Fasten (unterschiedlich harter Grade), Almosengabe, sexuelle Enthaltsamkeit, Schlafverzicht, Selbstgeißelung, Wallfahrten, Pilgerreisen, Teilnahme an Kreuzzügen (bei denen allen Teilnehmern generell ®Ablass erteilt wurde). Solche Bußwerke konnten, zunächst bei krankheitsbedingter Hinderung, später allgemein, durch Geldzahlung oder Ablasserwerb abgegolten werden.
Im 11. Jh. hatte das Bußverfahren im wesentlichen die Form erreicht, nach der noch heute verfahren wird: die beliebig oft wiederholbare Trias von Beichte, Bußauferlegung und Lossprechung. Von der Mitte des 12. Jh. an wurde die Buße in die Reihe der ®Sakramente einbezogen. Seit 1215 war jährlich mindestens einmalige Beichte Pflicht. Mit dem Aufkommen der Bußablösung durch eine dem jeweiligen Vermögen angepasste Geldzahlung, durch Stellvertreter (iusti), durch Almosengabe u.s.f. (Bußredemption) ließ die Bußdisziplin nach. Teilweise wurde die Buße durch das außersakramentale Ablasswesen verdrängt, das Nachlass zeitlicher Sündenstrafen (auf Erden und im Fegfeuer) gegen Zuwendung von Geld oder Sachen versprach.
(s. Fegfeuer, Hölle, Sünde)