Humiliaten

Aus Mittelalter-Lexikon
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Humiliaten (humiliati, nach lat. humile, non tinctum = Kleid aus ungefärbter Wolle; also: die Eschgrauen, Demütigen. Auch „Arme Lombarden“ genannt). Vom Waldensertum beeinflusste religiöse Lebensgemeinschaft von Männern und Frauen; entstanden im 12. Jh. in der Lombardei, strenger Askese, Armut und der Armenpflege verschrieben. Die Humiliaten sahen in ihrer Zeit das "Dritte Reich" (s. Joachim von Fiore) anbrechen, die Zeit eines überhöhten Mönchtums, den Vorabend des Jüngsten Gerichts. Als Büßergemeinschaft verstanden sie ihre Arbeit in den Tuchmanufakturen und ihr religiöses Wirken als freiwillig angenommene Bußleistung, was sie jedoch nicht daran hinderte, für die Verbesserung der Arbeitsbedingungen, für höhere Löhne und gegen die Verelendung der oberitalienischen Lohnarbeiter einzutreten. Sie gerieten im weiteren Verlauf wegen ihrer Nichtbeachtung eines von Alexander III. 1179 auferlegten Predigtverbots und donatistischer Einstellung, wegen rigoristischer Haltung im Armutsstreit und wegen ihrer daraus resultierenden Feindseligkeiten gegen die Amtskirche in Misskredit, wurden von Lucius III. 1184 zusammen mit ®Katharern und ®Waldensern exkommuniziert und – nicht zuletzt aufgrund von Verleumdungen durch von ihnen angefeindete Fabrikherren – als Ketzer verfolgt. Ein kirchentreuer Teil der Sekte sammelte sich zu einem neuen, dreigliedrigen Orden, der von Innozenz III. (1198-1216) anerkannt wurde. Den I. Orden bildeten Priester und Nonnen, den II. Orden regulierte Laienbrüder und -schwestern, dem III. Orden gehörten in ihren Familien lebende Religiosen an, die zumeist in Tuchmanufakturen arbeiteten. Sie schlossen sich den Terziaren an (s. Franziskaner) und gingen in deren Kongregationen auf, wogegen der I. und II. Orden 1571 von Pius V. aufgehoben wurde.