Magdeburg

Aus Mittelalter-Lexikon
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Magdeburg. Auf fruchtbarem Löss-Schwarzerdeboden an der mittleren Elbe, am Übergang alter W-O-Handelsstraßen über den Fluss, lag schon im FMA. auf dem linken Ufer eine Handelsstation, die erstmals 805 unter dem Namen Magadoburg als karolingischer Vorposten für den Slawenhandel erwähnt wird. Nach Zerstörung während eines Slawenaufstands wurde um 936 der Ort unter Otto I. wiederaufgebaut und 937 das Moritzkloster (s. Mauritius) auf dem Domhügel gegründet. 968 erlangte Kaiser Otto I. nach schwierigen Verhandlungen die Zustimmung von Papst Johannes XIII. zur Einrichtung des Magdeburger Erzbistums. Magadopurc wurde zum Hauptort des Reiches, die Kirche des Moritzklosters wurde zum Dom erhoben. Durch die Privilegierung des Mauritiusklosters mit Markt, Münze und Zoll durch Otto I. (965) wurde die Bedeutung des Klosters derjenigen der alten Reichsklöster Fulda oder Hersfeld angenähert. 973 wurde der in Memleben verstorbene Kaiser Otto I. nach Magdeburg überführt und im Dom beigesetzt. 1017 wurde zwischen Dombezirk und Stadt das Kloster Unser Lieben Frauen gegründet. Von Magdeburg aus wurde die Missionierung und Kolonisierung im nordöstl. Sachsen und im slaw. Osten betrieben, wobei sich besonders Erzbischof Wichmann (1152 - 92) hervortat. Die Stadt entwickelte sich unter der Herrschaft der Erzbischöfe zu einem bedeutenden Zentrum wirtschaftl. und polit. Macht. 1209 wurde mit dem Bau des got. Domes begonnen. In der ersten Hälfte des 13. Jh. rangen die Stadtbürger den Erzbischöfen eine Reihe von Freiheiten ab, die um 1250 im Magdeburger Stadtrecht kodifiziert und von den meisten Städten des östl. Reichsgebiets und vielen Städten Polens, Ungarns und Rußlands übernommen wurden. Ende des 13. Jh. trat die Stadt der Dt. Hanse bei. Der Magdeburger Reiter, das erste freistehende Reiterdenkmal in Nordeuropa, stammt aus der Zeit um 1240. An seinem Standplatz vor dem Rathaus am Alten Markt steht heute eine Bronzekopie; das Original befindet sich im Kulturhistorischen Museum der Stadt.
Von den ma. Bauten der Stadt sind erhalten geblieben bzw. wurden nach den Zerstörungen des 2. Weltkriegs wiederaufgebaut: die roman. Stiftskirche St. Sebastian, das Lieb-Frauen-Kloster (mit Kirche und Kreuzgang aus dem 11./12. Jh.) und der von Otto I. 955 gegründete Dom. Dieser war 1207 abgebrannt und wurde ab 1209 als erste Großkirche Deutschlands nach dem Vorbild der frz. Gotik neu erbaut. Er präsentiert sich als kreuzförmige Gewölbebasilika mit Chorumgang und Chorempore ("Bischofsgang"), Kapellenkranz und doppeltürmiger Fassade. Die Weihe fand 1363 statt, Fassade und Türme wurden erst 1520 vollendet. Der Ruhm des Doms beruht außer auf seiner Größe auf seinem reichen Schatz an Skulpturen: Gewändefiguren im Hohen Chor (darunter St. Mauritius und die Hl. Katharina, um 1240), das um 1250 entstandene thronende Herrscherpaar, der Lettner (um 1450), spätroman. Pflanzenornamente an den Kapitellen des unteren Chorumgangs, Bronzeepitaphien der Erzbischöfe Friedrich von Wettin (1152) und Wichmann (1192), Zyklus der Klugen und Törichten Jungfrauen an der Paradiespforte (1240 - 50) und das Bronzegrabmal des Erzbischofs Ernst von Sachsen (1495). Im Hohen Chor befindet sich der Sarkophag Kaiser Ottos des Großen, ein mit einer antiken Marmorplatte gedeckter monolithischer Kalksteinsarg.