Malaria

Aus Mittelalter-Lexikon
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Malaria (v. ital. mala aria = böse Luft; die feuchten Ausdünstungen von Sümpfen wurden als Ursache der Krankheit angesehen. Auch: Sumpf-, Tropen-, Wechselfieber). Vor allem in sumpfigen Gegenden wärmerer Länder auftretende Infektionskrankheit. Verursacht durch einzellige Parasiten der Gattung Plasmodium, übertragen durch den Stich von Malariamücken (Anopheles). Das Krankheitsbild ist charakterisiert durch Fieberschübe in bestimmten Abständen (Dreitage-, Viertagefieber) und Symptome wie Schüttelfrost, Milz- und Leberschwellung, Kreislaufschwäche und zunehmende Blutarmut. Die schwerste Form der Malaria kann nach wenigen Anfällen – zumal bei älteren oder geschwächten Patienten – tödlich enden. Die Krankheit trat hauptsächlich in den Mittelmeerländern und im Süden Frankreichs auf, wurde im FMA. jedoch von seefahrenden Wikingern auch an die Küsten von Dänemark, Deutschland, den Niederlanden, Belgien und Frankreich gebracht, von wo sie flussaufwärts in die Binnenlandschaften vordrang und z.B. in Sumpfgebieten um Hannover, im Gebiet westl. der Elbemündung und in Wesrtfalen heimisch wurde. Für die Geschichte des deutschen MA. war die Malaria vor allem insoweit von Bedeutung, als sie zwischen dem 10. und dem 14. Jh. unzähligen Deutschen auf Italienfeldzügen das Leben kostete. Der Chronist Otto von Freising schreibt zum Italienzug Friedrichs I. (1167): „Aus den Sümpfen der Nachbarschaft ... erhoben sich Nebel mit ihren trüben Ausdünstungen und verdicken die Luft, so dass sie für die Sterblichen todbringend und krankmachend zu atmen war.“ Helmold von Bosau berichtet in seiner Slawenchronik über die Gegend um Rom: „Es heißt, dass in jenen Landen während des Monats August pestbringende Nebel aufsteigen.“ Auch deutsche Kaiser (Otto II., Otto III., Heinrich VI. Konrad IV. und Heinrich VII.) starben in südlichen Ländern – mit sehr großer Wahrscheinlichkeit – an Malaria.
Medizinische Erkenntnisse über die Krankheit sammelten arab. Ärzte wie Avicenna, Avenzoar, Hares ibn Khalda. Der Letztere schreibt: „Eine ungesunde Erde ist eine Erde mit Büschen und Morasten, verseucht von Mücken, welche das Nest des Übels sind.“ Sie erkannetn also einen Zusammenhang mit der Anwesenheit von Stechmücken in der Nähe von Sümpfen, und werteten die Milzschwellung (Splenomegalie) als Krankheitssymptom. Ihre christlichen Kollegen machten üblen, aus Sümpfen aufsteigenden Nebel (s. Miasma) für das Sumpffieber verantwortlich. Diese Annahme führte immerhin zu sinnvollen Anstrengungen (nicht zuletzt der Zisterzienser), Moraste trockenzulegen.
(s. Miasma)