Meister Ingold

Aus Mittelalter-Lexikon
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Meister Ingold (mayster Ingold; 1. Hälfte 15. Jh.). Der Name bezeichnet den Sohn einer Straßburger Patrizierfamilie, der als Professor der Theologie und Prediger dem dortigen Dominikanerorden angehörte. Von ihm stammt eine in deutscher Prosa geschriebene Anleitung zum Schachspiel (1432), die unter dem Titel „Das guldin spil“ in mehreren Handschriften (Augsburg, Zürich) und in einem Druck (Augsburg, 1472) erhalten ist. Darin werden die 32 Schachfiguren in moralisierender Weise als die hohen und niederen Chargen an einem fürstlichen Hof dargestellt. Als einziger der ma. Schachbuch-Autoren nennt Ingold auch Angehörige der niederen Geistlichkeit (Beichtvater, Kaplan, Almosenier) und rechnet sie den Venden (Bauern) zu. Das Schachspiel selbst entspricht in seiner Auflistung von sieben Gesellschaftsspielen dem Laster der Hoffart; das Damespiel entspricht der Völlerei (gula), Kartenspiel der Wollust (luxuria), Würfeln der Habgier (avaritia), Kegeln dem Zorn (ira), Tanzen der Trägheit des Herzens (acedia), Saitenspiel dem Neid (invidia).
„Das goldene Spiel“ ist seiner allegorisch-theologischen Anlage wohl als Predigtvorlage gedacht gewesen. Als Quellen nutzte Ingold den „Liber de moribus hominum et de officiis nobilium ac popularium super ludo scaccorum" des Jacobus de Cessolis und das auf diesem beruhende „Schachzabelbuch“ des ®Konrad von Ammenhausen sowie moralisierende Traktate wie „Liber de eruditione Christifidelium“ (Erziehung zum Christentum“), „Ludus cartularum moralisatus“ (Unmoral des Kartenspielens) oder „Was schaden tantzen bringet“.
(s. Laster, Schach)