Räucherungen (Med.)

Aus Mittelalter-Lexikon
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Räucherungen (Med.; lat. fumigationes, inzensationes). Räucherungen zu medizinischen Zwecken wurden schon in der Antike, etwa bei Dioskurides oder Galen, empfohlen. So sollten Räucherungen mit Mohnköpfen den Schlaf bringen und solche mit Schwefel und Asphalt von Besessenheit heilen.
Heilkundige des MA. kannten im eigenen Feuer oder in einem Holzkohlefeuer verbrannte, auch in Kerzenwachs eingeknetete und beim Abbrand freiwerdende Arzneidrogen, die vom Patienten eingeatmet oder durch Röhren an die zu behandelnden Körperstellen geleitet wurden (etwa in die Mundhöhle oder in die Scheide). Zur Anwendung kamen aromatische Harze, Kräuter, Samen und Hölzer. So nützte man z.B. bei der Behandlung des "Zahnwurms" die anästhesierende Wirkung des Bilsensamens, bei gynäkologischen Leiden waren Beifuß und Wermut indiziert, Asthma bronchiale wurde mit Schwefeldämpfen angegangen. Gegen Mücken wurde mit Wermut geräuchert, gegen Pest mit Wacholder. Im Pestbuch ("Regimen pestilentiae", 1473) des ® Heinrich Steinhöwel steht: "füwer machen aus wacholdern, roßmarin, ayche etc. denn diese ding reinigen den lufft von siner fülin durch ir werme." Zum Ausräuchern von Pesthäusern benutzt man - neben Beeren und Holz des Wacholders - auch Myrrhe, Weihrauch, Bibernelle (Wurzel von Pimpinella saxifraga) und Meisterwurz (Wurzel von Peucedanum ostruthium). Die letztere Praxis ist schon dem Aberglauben zuzurechnen, demzufolge - möglichst aromatische - Räucherungen als wirksamer Schutz gegen Dämonen aller Art galten, so auch gegen Krankheitsdämonen.
(s. Agtstein, Asthma, Drachenblut, Harz, Impotenz, Miasma, Ohrkrankheiten, Räucherungen (Mag.), Räucherstoffe, Weihrauch)