Riesenbibel

Aus Mittelalter-Lexikon
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Riesenbibel. Codices der Hl. Schrift in überdimensionalem Format und prachtvoller Ausstattung sind vor allem zur Zeit der Kirchenreformation (11. Jh.) und zuerst in Italien entstanden, als man die Überlegenheit der Kirche über die weltl. Macht beweisen, den Einfluss der Laien auf den Klerus zurückdrängen und den Zustand der Urkirche wiederherstellen wollte. Zu diesem Zweck ließ man prachtvolle Kultgeräte schaffen, die auf die Herrlichkeit Gottes verwiesen. Waren die Hl. Schriften bis dahin als einzelne Bücher erschienen – Schriften des Alten und Neuen Testamentes, Psalter, Evangelien, Apostelgeschichte - , so waren in den Riesenbibeln alle Teile in einem Band zusammengefasst. Derartig überproportionale Exemplare waren naturgemäß immens teuer und entstanden als Stiftung vermögender Geldgeber zu deren Totengedenken.
Als herausragendes Beispiel sei die sog. „Gumbertusbibel“ genannt, benannt nach ihrem Bestimmungsort, dem Ansbacher Stift St. Gumbertus, wohin sie um 1180 von einem Regensburger Skriptorium her gelangte. Sie wiegt 40 kg. und misst 67 mal 45,5 cm. Bemerkenswert sind ihre z.T. ganzseitige farbenprächtige Illuminierung und die prachtvoll gestalteten Initialen. Für ihre Herstellung hat man die Häute einer ganzen Schaf- oder Ziegenherde benötigt, dazu kostbare Farben wie Gold, Lapislazuli und Purpur. Da sie zu schwer war, um von einem Ort zum anderen getragen zu werden, dürfte sie auf einem Lesepult im Refektorium oder in der Bibliothek stationiert gewesen sein.
Die Gumbertusbibel gehört zum unter dem Code Ms. 1 zum Bestand der Universitätsbibliothek Erlangen-Nürnberg.
Als weitere Beispiele der Gattung seien genannt: Pantheonbibel (Vatikan, Ms. vat. lat. 12958); die Riesenbibel von Santa Maria degli Angeli (Florenz, Laurenziana, datiert 1140, Ms. Conv. soppr. 630); die Riesenbibel der Certosa di Calci in Pisa (um 1180); die Admoter Riesenbibel (12. Jh., Salzburg; aufbewahrt in der Ösetrr. Nationalbibliothek Wie, Cod. n. 2701-2702).