Rostock

Aus Mittelalter-Lexikon
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Rostock. Am rechten Ufer des Ostseezuflusses Warnow, der hier boddenartig zum "Breitling" erweitert und durch eine Nehrung von der See abgetrennt ist, bestand bereits im 12. Jh. neben der wendischen Burg "Roztoc" ( = Flussverbreiterung) eine slaw. Handelsniederlassung. Der Historiker ®Saxo Grammaticus berichtet in seiner "gesta Danorum", dass die slaw. Fürstenburg Roztoc 1161 von den mit den Sachsen verbündeten Dänen unter Waldemar I. zerstört worden sei. Siedlung und Handelsplatz wurden bald wieder aufgebaut. Auf dem gegenüberliegenden (linken) Warnowufer ließen sich um 1200 dt. Kaufleute nieder, deren Siedlung 1218 von Fürst Heinrich Borwin I. das lübische Stadtrecht erhielt. Westl. der Altsiedlung ("Alter Markt") entstanden ab 1232 die Mittelstadt und ab 1252 die Neustadt. Die drei Stadtkerne sowie einige Klosterbezirke und ein alter wendischer Siedlungskern wurden 1265 zusammengelegt und zwischen 1270 und 1300 mit einer gemeinsamen Mauer umwehrt. Gericht und Rat fanden auf dem Markt der Mittelstadt statt, in welcher die regierenden Kaufmanns-Geschlechter saßen. Der Hafen an der Warnow machte Rostock zu einem florierenden Seehandelsplatz, der im 14. Jh. zu einem wichtigen Mitglied der Familie der Hansestädte im "Wendischen Quartier" aufstieg. 1323 erwarb Rostock den ca. 12 km flussabwärts gelegenen Seehafen Warnemünde. Durch ihren Reichtum und ihre Privilegien fühlten sich die Rostocker Ratsherren ihren Landesherren, den Herzögen von Mecklenburg, ebenbürtig und lagen in ständigem Streit mit ihnen. Nach innen mussten sie sich der Machtansprüche der gemeinen Bürgerschaft erwehren. Im 15. Jh. wurden je 30 Kaufleute und Handwerker als beratende Körperschaft der "Sechziger" in die Ratsverfassung aufgenommen. Die Gründung der Universität (1419) – der ersten Nordeuropas – ließ Rostock auch zu einem geistigen Zentrum Nordeuropas werden. (Von 1487 bis 1488 war Rostock vom Bischof von Ratzeburg mit dem Kirchenbann belegt, weshalb während dieser Zeit der Universitätsbetrieb ruhen musste.)
Die Zerstörungen des 2. Weltkriegs haben das Rathaus (1270 - 90; gotische Backstein-Schaufassade, barock überbaut), die gotische Marienkirche (13.-15. Jh., astronom. Uhr) und die gotische Heilig-Kreuz-Kirche (15. Jh.) überdauert. Wiederaufgebaut wurden die Nikolaikirche (dreischiffige frühgot. Backstein-Hallenkirche, Mitte 13. Jh.) und die Petrikirche (dreischiffige got. Backsteinbasilika, Mitte 14. Jh.).