Schl. auf d. Marchfeld b. Dürnkrut

Aus Mittelalter-Lexikon
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Schlacht auf dem Marchfeld bei Dürnkrut und Jedenspeigen (Niederösterreich, ca. 55 km nord-östl. von Wien, in der Niederung westlich des Flusses March, östlich der Dörfer Jedenspeigen und Dürnkrut). In dieser Schlacht am 26. August 1278 kulminierte die Auseinandersetzung zwischen Rudolf von Habsburg, der von den Kurfürsten 1272 zu deutschen König gewählt worden war, und König Ottokar II. Przemysl von Böhmen, der die Wahl nicht anerkannte, um die römisch-deutsche Königswürde.
Beide Fürsten zählten aufgrund ihres Landbesitzes und ihres Reichtums zu den mächtigsten Europas. Rudolf besaß ausgedehnte Ländereien im oberen Elsaß, im Zürichgau, im Aargau und im Breisgau; Ottokar waren – außer seinem Königreich Böhmen – als Reichslehen Österreich, Steiermark, Kärnten und Krain mit der Windischen Mark zu eigen. Nachdem er sich 1275 geweigert hatte, die Lehnshoheit Rudolfs anzuerkennen und diesem als König zu huldigen, wurde er in einem förmlichen Rechtsverfahren mit Acht und Bann belegt und die genannten Reichslehen sowie das des Königreichs Böhmen eingezogen. Da der Przemyslide sich den Urteilssprüchen nicht fügen wollte, musste eine Entscheidung auf dem Schlachtfeld gesucht werden.
1276 begannen die kriegerischen Auseinandersetzungen zwischen den beiden Rivalen, sie gipfelten am 26. August 1278 in der Schlacht auf dem Marchfeld. Auf der Seite Ottokars standen Truppen aus Niederbayern, Sachsen, Thüringen, Brandenburg, Schlesien und Polen. Auf Rudolfs Seite standen ungarische Panzerritter unter ihrem König Ladislaus IV., kumanische berittene Bogenschützen sowie Truppen aus Schwaben, Schweiz, Elsaß, Steiermark, Kärnten und Krain. An schwer gepanzerten Rittern war Ottokar dem Rudolf im Verhältnis von ca. 6.500 zu 4.500 überlegen. Diese Überlegenheit wurde durch einige Tausend ungarischer Kumanen auf Seiten Rudolfs ausgeglichen.
Der Kampf fand zwischen den Reiterverbänden statt, die Fußtruppen beschränkten sich auf die Sicherung der jeweiligen Lager. Nach längerem erbitterten Kampf brachte ein Reiterverband die Entscheidung, der von Rudolf in einem Seitental in Reserve gehalten worden war und plötzlich Ottokars Rittern in die Flanke fiel und deren Heer in zwei Teile spaltete. Die Truppen Ottokars wandten sich in Panik zur Flucht und wurden teils in die March getrieben, wo sie ertranken, oder von ihren Verfolgern niedergemacht. Bis zum Abend waren angeblich 10.000 Anhänger Ottokars gefallen oder in Gefangenschaft geraten. Ottokar selbst war gefangengenommen und unrühmlich erschlagen worden. Sein verstümmelter Leichnam wurde in der Wiener Minoritenkirche zur Schau gestellt; erst im Frühjahr des Folgejahres durfte der Tote in seine böhmische Heimat gebracht werden. Dort verweigerte ihm die Kirche ein christliches Begräbnis. 1296 wurde er endlich nach Prag in den Veitsdom überführt und beigesetzt.
Rudolf und seine Anhänger werteten den Ausgang der Schlacht als Gottesurteil. Innerhalb von vier Jahren konnte der Habsburger nach harten Verhandlungen die Herzogtümer Österreich und Steiermark mit den Ländern Krain und Windische Mark seinem Hause einverleiben und damit die Grundlage für die spätere Großdynastie schaffen. – Mit Ottokars Tod war der Traum von einem slawisch-deutschen Großreich von der Ostsee bis zur Adria erloschen.
(s. Kumanen, Ottokar II. Premysl, Rudolf I. von Habsburg)