Spinnstube

Aus Mittelalter-Lexikon
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Spinnstube (Rocken-, Kunkel-, Nacht-, Räh-, Spellstube, Heimgarten, Lichtabend, Rockenlicht, Vorsitz). Hier trafen sich – wohl seit dem SMA. – an Winterabenden (zwischen St. Martin [11.11.] bzw. St. Michael [29.09.] und Lichtmess [02.02.]) Frauen und Mädchen zum Spinnen und Garnhaspeln, nebenbei auch zum Sticken, Stricken oder Stopfen. Dabei wurde erzählt und gesungen (Spinnstubenlieder, Kreisgesänge). Waren die jungen Frauen mit Fleiß bei der Arbeit, schon um ihre Qualität als künftige Magd oder Hausfrau unter Beweis zu stellen, so dürften ihre jüngeren Geschwister ihr Pflichtsoll oft nur unter Tränen erbracht haben. Nach Erledigung der Pflichtarbeit – etwa um 21 Uhr – wurden Unterhaltungsspiele getrieben wie Rätselraten, Pfänder- oder Scherzspiele ("Spinnstubenspiele"). Während in manchen Gegenden junge Burschen am geselligen Zusammensein in der Spinnstube teilnehmen durften, nebenher kleinere Holzgeräte herstellten oder ausbesserten, blieben sie in anderen Gegenden (beispielweise im Thüringer Wald) ausgeschlossen – wohl aus Sorge um die Moral und um den Spinnfleiß. Ort, Beginn und Ende der Spinnstubenzeit sowie das Verhalten in der Spinnstube waren durch die Spinnstubenordnung reglementiert, die Einhaltung der Ordnung wurde durch die Spinnstubenmutter, den Spinnherrn oder die Rockenstubeneltern überwacht. Solchen durch die Sitte geregelten (befugten) Spinnstuben standen unbefugte Stubengemeinschaften gegenüber, in denen sich schulpflichtige Mädchen und Burschen heimlich trafen. Neben der in einem bestimmten Haus eingerichteten Spinnstube gab es Spinnstubengemeinschaften, die reihum in den Häusern der Mitglieder zusammenkamen (daher "Rähstube", von reihum). Mancherorts bildeten die Mädchen und Frauen verschiedenen Alters Gruppen, die über die Winterarbeitszeit hinaus zusammenhielten. Am Samstag wurde aus Rücksicht auf die bevorstehende Sonntagsruhe nicht gesponnen, auch nicht in den Zwölf Nächten (s. Rauhnächte).