Vögel

Aus Mittelalter-Lexikon
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Vögel (mhd. vogel, vogelin). Vögel waren geschätzt als exotische Schauobjekte, als unterhaltsame Hausgesellen, als Jagdgehilfen und als Bereicherung des Speisezettels. Seit dem 13. Jh. kannte man in Europa den Papagei, der wegen seines hohen Preises jedoch nur an Fürstenhöfen zu finden war. Mit Stoßvögeln zu jagen war Vorrecht des Adels. In den höfischen Falknereien wurden Falken, Sperber und Habichte zur Beizjagd abgerichtet.
Vögel wurden einerseits als Sinnbilder einer als lieblich idealisierten Natur betrachtet, an deren Gesellschaft man sich erfreute. In Käfigen der Bürgerhäuser sangen, zwitscherten oder krächzten Drosseln, Meisen, Finken, Stare, Elstern und Dohlen, an deren Gesang, Verhaltensäußerungen und Federkleid man sich erfreute. Andererseits wurden Tauben, Krähen und Stare als Schadgetier betrachtet, verscheucht und getötet, wo sie scharenweise in Saatfelder und Wein- und Obstgärten einfielen.
In der Pfanne oder am Spieß landete alles was Federn trug. Bevorzugten Adlige edles Vogelwild wie Fasane, Rebhühner, Pfauen, Wildenten, Wachteln, Tauben oder Krammetsvögel, so gaben sich sich die Bürgerlichen mit Kleinvögeln (Fettammern, Lerchen, Stieglitzen, Drosseln, Finken, Meisen) zufrieden, die von Vogelhändlern gegen gutes Geld feilgeboten wurden. Auf dem Tisch der Bauern fanden sich Wachteln, Rohrdommeln, Dohlen, Krähen oder Störche, die z.T. wegen tranigen Geschmacks oder zähen Fleisches als minderwertig galten. Kleinvögel wurden auf langen Spießen gebraten ("Spießvögel") und mit süßer Tunke gegessen. Nach Bruno Larioux konnten Archäologen "41 verschiedene Arten von Wildvögeln identifizieren, die von Mönchen des Klosters Charité-sur-Loire verzehrt wurden, darunter ... Raben, Krähen und Dohlen."
Vogelfang betrieb man mit Netzen, Leimruten oder gespaltenen Holzklötzen (Finkenkloben), oder indem man Singvögel mit einer den Vogelruf imitierenden Pfeife ("Drosselpfeife") anlockte.
Zum Erhalt der Vögel als Nahrungsmittel sowie gegen die Schädigung der Saatfelder durch die Vogeljagd wurden vom 14. Jh. an im Interesse des Gemeinwohls (bonum commune) Vogelschutzmaßnahmen ergriffen (z.B. in Zürich 1335, Konstanz 1376, Göttingen 1410, Straßburg 1449 und Ulm 1492). Hinter den städtischen Schutzbestimmungen könnten zusätzlich auch Interessen des Adels gestanden haben, seine Jagdprivilegien zu erhalten.
(s. Beizjagd, Brieftaube, Enten, Eule, Falknerei, Fasan, Gans, Geflügel, Hexentiere, Huhn und Hahn, jagdbare Tiere, Pfau, Rebhuhn, Schwan, Tauben, Vogelherd, Wachtel)