Wasserwege

Aus Mittelalter-Lexikon
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Wasserwege. Für den ma. Personenverkehr sowie für Waren- und Massengütertransport waren, der Unsicherheit und schlechten Beschaffenheit der Straßen wegen, die Wasserwege von größter Bedeutung, zumal sich der Transport mit Flößen und Schiffen wesentlich billiger gestaltete als mit Lastwagen oder Tragetieren. Flüsse waren vom HMA. an von besonderer Bedeutung für die Flößerei, welche den wachsenden Bau- und Brennholzbedarf der großen Städte fast ausschließlich deckte. Der Weinbau hätte ohne Wasserwege, auf denen die schweren Fässer schonend verschifft werden konnten, nur lokalen Absatz gefunden.
Wie Landstraßen mussten auch natürliche Wasserwege, um befahrbar zu bleiben, ständig unterhalten werden. Wucherndes Baum- und Strauchwerk würde ohne regelmäßige Auslichtung die Fahrrinne eingeengt und die Treidelpfade unbegehbar gemacht haben. Wassergräser mussten gemäht und Brombeerdickicht verbrannt werden. Hangrutsche und Versandungen waren abzutragen. Für diese und andere Instandhaltungsarbeiten waren die Inhaber der Flussregalien zuständig, denen dafür an einer wachsenden Zahl von Zollstationen erhebliche Abgaben entrichtet werden mussten. Freilich wurde nur der geringste Teil der Zolleinnahmen bestimmungsgemäß verwendet.
Lastkähne förderten Fracht in beiden Richtungen: hatten sie Wein und Getreide seewärts gebracht, so nahmen sie für die Rückreise Seefisch und Salz an Bord, um ausreichend Gewinn für die Amortisierung des Schiffes, für die Löhne der Besatzung und der Treidelleute sowie für die Zölle zu erwirtschaften.
Die Nutzung der Wasserwege - und als solche galten Gewässer ab 50 cm Tiefe - wurde eingeschränkt durch jahreszeitliche Schwankungen des Wasserstandes, durch unwetterbedingte Hochwasser und winterliche Vereisung. Da klima- oder witterungsbedingte Stilllegungen der Binnenschifffahrt nicht vorhersehbar waren, stellten sie ein erhebliches Risiko für den Handelserfolg der Kaufleute dar. Im SMA. ergab sich ein wachsender Bedarf an Mahl- und Werkmühlen; um deren nachhaltigen Betrieb sicherzustellen, wurden – zumal in Flüssen mit geringem Gefälle – Stauwehre errichtet, welche den Schiffsverkehr stark behinderten (s. Schleusen).
Neben hunderten kleiner Wasserwege, die man heute kaum mehr für schiffbar halten möchte, gab es die großen Wasserstraßen. Von der Nordsee konnte man auf einer – bis auf wenige km durchwegs schiffbaren – Strecke von ca. 2.000 km Länge (über Rhein, Aare, Bieler See, Neuenburger See, Genfer See und Rhone) das Mittelmeer erreichen. So gelangte man vom Rhein- zum Rhonedelta, wobei nur eine Tagesreise von ca. 30 km zwischen Neuenburger und Genfer See über Land eingelegt werden musste.
Der Rhein (lat. Rhenus) war von überragender Bedeutung für den Pilgerverkehr nach Rom, Jerusalem, Einsiedeln und Santiago de Compostela. Aufgrund der dicht aufeinanderfolgenden Städte, Klöster, Stiftskirchen und Spitäler kam es zu dem Namen "Pfaffengasse".
Die Donau (lat. Danubius) verbindet auf ihrem mehr als 2.500 km langen Lauf mehrere Länder und Kulturen zwischen dem schwäbischen Voralpenland und dem Schwarzen Meer. Wie schon zur Römerzeit war sie im MA. von größter Bedeutung für Personenverkehr, Handel, Material- und Heerestransporte.
Auf der Elbe (lat. Albis) gelangte man seit dem 13. Jh. über Magdeburg, Dessau, Torgau, Dresden, Assig (Usti) nach Melnik, von da auf der Moldau bis nach Prag. Getreide aus der Altmark, Priegnitz und Mittelmark gelangte über Spree, Havel und Elbe nach Hamburg. Lüneburg war über Ilmenau und Elbe mit Hamburg verbunden.
Der Main (wahrscheinl. kelt. Menos [vgl die Keltenburg Menosgada auf dem Staffelberg], lat. Moenus fluvius, fränk Moin, mlat. Mogonus [vgl. Mogontiacum = Mainz], Mogus, ab 14. Jh. Main genannt) verband die ostfränk. Gaue um Bamberg mit den stromab gelegenen Klöstern, Königsgütern und Städten, um nach ca. 400 km bei Mainz in den Rhein zu münden. Befahren wurden im MA. auch der Oberlauf, sowie zahlreiche Nebenflüsse (Regnitz, Fränk. Saale, Tauber, Kinzig).
(s. Binnenschifffahrt, Flussreise, Kanalbau, Seestraßen)