Agtstein

Aus Mittelalter-Lexikon
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Agtstein (mhd. agates, age-, agetstein, v. ahd. aiten = brennen; auch Jett, Gagat, Pechkohle, Schwarzstein oder schwarzer Bernstein; die Bezeichnung agetstein wurde im MA. auch für Bernstein und Magnet verwendet. Der Name Gagat soll auf die antike Fundstelle an dem kleinasiatischen Fluss Gages zurückgehen). Bituminöse Kohle aus dem Harz der Araucaria, einer Schuppentannenart, die vor ca. 170 Mio. Jahren an der Grenze der Jurazeit zur Kreidezeit - zeitgleich mit den Dinosauriern - auch in unseren Breiten existierte. (Seit dem Tertiär - also seit ca. 65 Mio. Jahren - ist ihr Vorkommen auf die Südhalbkugel beschränkt.)
Das leichte, brennbare und durch Reiben elektrostatisch aufladbare Material (von daher die Verwechslung mit Bernstein) ist von dunkelbrauner bis schwarzer Farbe. Es lässt sich gut polieren, schnitzen oder drechseln. Es war schon in vorgeschichtlicher Zeit bekannt und wurde von den Römern zu Schmuck (Perlenketten, Amulette) verarbeitet und - zu Pulver zerstoßen und eingenommen - als Medizin angewandt. Plinius der Ältere hielt Gagat für einen Heilstein: er er vertreibe Fallsucht, Zahnschmerz und Hysterie, schütze vor dem bösen Blick und vor Giftschlangen und zeige die Jungfernschaft einer Frau an.
Der im europäischen MA. verarbeitete Agtstein kam vorzugsweise aus der Umgebung des englischen Fischerdorfes Whitby. Er wurde zu Rosenkranzkugeln und zu Schmuckstücken verarbeitet und spielte eine Rolle im Aberglauben der Zeit. Als Amulett oder Halskette getragen galt er als Abwehrmittel gegen Zauberei und gegen Krankheiten und sollte Kinder vor dem Beschreien schützen. Innerlich und als Räucherung angewandt sollte er die Jungfernschaft anzeigen sowie als geburtsförderndes Mittel und als Abortivum wirken.
(s. Bernstein)