Almosen

Aus Mittelalter-Lexikon
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Almosen (mhd. almouse,almusene; ahd. alamousan, v. grch. eleemosyne = Mitleid). Aus der synagogalen Frömmigkeit übernahm das junge Christentum die religiöse Pflicht, die Armen mit Naturalien, vom 9. Jh. an gelegentlich auch mit Geld zu unterstützen. An der Klosterpforte von Corbie sollen vorüberziehende Arme (pauperes supervenientes) im FMA. Brot, Bier oder Wein, Gemüse, Speck, gelegentlich Fleisch, gebrauchte Kleidungsstücke und Schuhe der Mönche, Decken, Brennholz und schlichte Haushaltsgeräte empfangen haben. Bei steigender Armut und nach Missernten dürften die Gaben jedoch meist kärglicher ausgefallen sein. Ähnliche Natural-Legate richteten wohlhabende Bürger ein, um daraus an ihrem Totengedenktag durch die Kirche oder eine andere religiöse Institution an Bedürftige verteilen zu lassen. Von Anfang an stand der Wert des Almosengebens für die Sündenvergebung fest: "Sicut ignem aqua sic elemosina extinguit peccatum"; "Quantum quis in hac vita seminat, tantum in vita eterna metet". Geläufige Praxis war die Verbindung von Gebetsgedenken für Verstorbene mit einer sozialkaritativen Spende. Könige, Bischöfe, Adlige und sonstige Vermögende errichteten Stiftungen, aus denen jeweils am Jahrtag ihres Todes – neben den liturgischen Leistungen – Zuwendungen an Arme vorzunehmen waren. Weitere Motivation für die Spendung milder Gaben bestand in der Errettung fremder armer Seelen, in der Furcht vor dem Fluch eines abgewiesenen Bettlers und in der Absicht, sich als mildtätiger Spender vorteilhaft herauszustellen. Im SMA. versprachen Bettelorden und Almosen- bzw. Ablassprediger ®Ablass der zeitlichen Sündenstrafen für die Spende von Almosen. Die christl. Almosenpflicht dürfte sich der heidnische Absicht überlagert haben, gefährliche Dämonen durch Opfergaben sich geneigt zu machen. Insgesamt bildete die Almosenpraxis die Grundlage für die kirchliche Armenfürsorge. Im SMA. wurden zur Versorgung der städtischen Armen neben den bis dahin üblichen privaten auch städtische Stiftungen eingerichtet. Ende des 15. Jh., als das Bettelunwesen in den Städten zur Gefahr für die öffentliche Ordnung geworden war, wurden städtische Almosenordnungen erlassen, die bestimmten, welche Personen Anrecht auf "gemeines Almosen" hatten, wie Almosengenossen in leere Arbeitsstellen gesetzt und ortsfremde Bettler ferngehalten werden konnten. Besondere Aufmerksamkeit galt dabei den Kindern. Für die Durchsetzung der Almosenordnung sorgte ein städtischer Pfleger und seine Knechte.