Anker

Aus Mittelalter-Lexikon
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Anker (mhd. anker, enker; v. lat. ancora).
1.) Gerät zum Festlegen von Schiffen gegen Wind, Strom und See. Im MA. wurden Stein- und (vom 12. Jh. an) Eisenanker verschiedener Größe und Form verwendet. Geschmiedete Anker hatten meist die Form eines „Stockankers“, dessen Querarm um 90° gegen die gerundeten Arme versetzt ist; beim Zug auf die Ankerkette legt sich der Stock flach auf den Grund, der untenliegende Flunken gräbt sich ein. Daneben gab es den vierarmigen „Draggen“ ohne Ankerstock. Größere Schiffe fuhren zwei Buganker, einen Heckanker und einen Reserveanker. Die Buganker waren außenbords am Vorschiff festgezurrt, der leichtere Heckanker wurde wohl an Deck, festgemacht an der Reling, der Reserveanker unter Deck verwahrt. Sie waren an einem Tau, seltener an einer Kette befestigt und wurden – je nach Gewicht – von einem oder mehreren Männern von Hand oder mit einer Winde gesetzt und eingeholt. (Auch an Ankern, die an einem Tau ausgebracht wurden, war am Ankerstock eine mehrere Meter lange Eisenkette angeschäkelt, deren Gewicht den Stock auf den Boden zog.) Ankerschmiede bildeten in den großen Hafenstädten eigene Zünfte. Als berühmteste Ankerschmiede des MA. gilt die von Soderfors in Schweden.
2.) Konstruktives Bauelement aus Holz oder Eisen zur Verbindung von Bauteilen oder zur Aufnahme von Zugspannungen. Beim Binder des Pfettendachs wird z.B. der Schub aus Schrägbalken und Firstbaum vom waagrechten Ankerbalken aufgenommen (s. Dachkonstruktion). Im Kuppel- und Gewölbebau machten sich die ma. Baumeister Ring- und Spannanker nach gefühlsmäßigen Kriterien zunutze, wobei sich eine Verschiebung vom Holz- zum Schmiedeeisenanker ergab. (Man weiß heute, dass die von ma. Baumeistern eingezogenen Anker die Festigkeit der Bauten nicht wesentlich verbessert, einen Einsturz oft nicht verhindert haben.)
3.) Christliches Symbol der Glaubensfestigkeit und der Hoffnung auf Auferstehung und Ewiges Leben. Ein Anker mit einem Querbalken unter dem Ring als Geheimzeichen für das Kreuz war schon in frühchristl. Zeit bekannt und fand sich auf vielen Grabinschriften, verschwand dann jedoch gegen Mitte des 4. Jh., um erst im 15. Jh. wieder in Gebrauch zu kommen. In der christl. Ikonologie war der Anker ein Attribut des hl. Nikolaus (Schutzpatron der Seeleute und Fluss-Schiffer), des hl. Johannes v. Nepomuk (Schutzheiliger der Müller, Schiffer und Flößer) und des hl. Placidus (Schutzheiliger bei Gefahr des Ertrinkens).