Anrede

Aus Mittelalter-Lexikon
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Anrede (Bezeichnung, mit der man jemanden anredet; Titulatur; mhd. intitulatio). Ursprünglich wurde bei der Anrede allgemein die 2. Person Singular gebraucht („du“; lat „tu“), also auch bei der Anrede Höhergestellter. Im 11. Jh. begann die Verwendung der 2. Person Plural („ir“; lat „vos“; Pluralis reverentiae). Diese distanzbildende Form wurde bis zum Ende des MA. gegenüber Höherstehenden, Geistlichen und Fremden beibehalten. Ranghöhere redeten Rangniedere mit „du“ an. Kinder redeten so ihre Eltern an, Eheleute duzten sich untereinander. (Erst im 16. Jh. sollte unter hochgestellten Ehepartnern die Sitte des „Ihrzens“ aufkommen.) Unter Standesgleichen duzte man sich weiterhin; einen Gleichgestellten mit „ir“ anzureden, bedeutete Ablehnung, gar Provokation. – Im 15./16. Jh. kam es zu einer Abwertung des „ir“; man ging stattdessen zur Anrede in der 3. Person Singular („er“, „sie“) und 3. Person Plural („Sie“) über. Die einfachen Leute benutzten weiter – auch gegenüber Höhergestellten – die Anrede „Du“ und wurden mit „Du“ angeredet.
Die schriftliche und mündliche Titulatur verwendete im FMA. zunächst Herrscher- und Beamtentitel, die auf spätantike Tradition zurückgingen (z.B. keiser, comes, dux), sowie Titel der kirchl. Hierarchie (Heiliger Vater, Ew. Heiligkeit [Papst], Ew. Eminenz [Kardinal, Großmeister des Malteserordens, geistl. Kurfürsten], Ew. Exzellenz [Bischof], Hochwürdigster Herr [Prälaten, höhere Geistliche], Hochwürden, Ehrwürden [Weltkleriker], Bruder [ältere Münche jüngeren gegenüber], Ehrwürdiger Bruder, Pater, Nonnus [jüngere Mönche gegenüber älteren], Schwester, Ehrwürdige Schwester, Mutter [Nonnen], Dominus et Abbas [nach der Benediktregel dem Abt zustehender Titel]). Dem Kaiser stand die Anrede Majestät zu, Kurfürsten ließen sich vom 14. Jh. an als Serenissimus (Durchlauchtigster) anreden. Im weiteren Verlauf des MA. bildeten sich Standes-, Berufs-, Funktions-, Rang- und Herkunftstitel aus (s. Bakkalaureus, Doctor, Durchlaucht, Erlaucht, Herr, Magister, Meister usf.). Das heute als Adelsprädikat gebräuchliche „von“ (lat. a, de) war im MA. eine jedermann zuständige Bezeichnung nach seiner Herkunft oder seinem Wohnsitz.