Anselm von Besate

Aus Mittelalter-Lexikon
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Anselm von Besate (Anselmus Peripateticus; ~1000 - ~1060). A. entstammte einer adligen Familie aus dem lombardischen Besate (zwischen Mailand und Pavia), studierte Philosophie, Logik und Rhetorik an den Schulen von Mailand, Parma und Reggio Emilia, gehörte dem Mailänder Klerus an und bereiste als Wanderlehrer Italien, Deutschland und (wahrscheinlich) Frankreich – daher sein Beiname „peripateticus“ (der Umherziehende). Er war in der Kanzlei des Bamberger Bischofs angestellt (1045/46), Notar und Kapellan Kaiser Heinrichs III. (ab 1048) und ist im Dienste des Bischofs von Hildesheim gestorben.
Bekanntheit erlangte er durch seine „Rhetorimachia“ (Rednerkampf; auch: „De materia artis“), ein fiktives satirisches Streitgespräch in Briefform (drei Bücher, geschrieben um 1047). Das Werk – Lehrtext und Pamphlet zugleich - folgt den Regeln der antiken Rede, bestehend aus Anklage und Verteidigung. Der Hauptvorwurf, gegen den er sich verteidigen muss, besteht darin, dass er – und mit ihm der gesamte Mailänder Klerus – sexueller Ausschweifungen und der Zuhälterei schuldig sei und Zauber mit Liebes- wie Abtreibungsmitteln betrieben habe.
Das Werk beruht auf Lehren von Aristoteles, Porphyrius, Boethius, Fulbert von Chartres und Gerbert von Aurillac. Es ist eine wichtige Quelle für die Zeitumstände, besonders für Rituale und Praktiken der Zauberei und für das Unwesen der Teufelsdiener und Ketzer.