Ausfachung

Aus Mittelalter-Lexikon
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Ausfachung. Die Gefache (Leerräume im Balkenwerk der Wände) eines Fachwerkbaus wurden von Anfang an durch strohumkleidete Stickscheite (gespaltene Hölzer) oder Holzflechtwerk und Lehmbewurf geschlossen. Dazu wurden an den dem Gefache zugewandten Seiten der waagrechten Hölzer (Riegel) eine Nut (Rille) oder mehrere rechteckige oder runde Löcher eingetieft, in die in regelmäßigen Abständen senkrechte Holzscheite oder Äste gestellt wurden. In ein Gefach von ca. 1 m Breite kamen fünf solcher Staken, flache, etwa 5 cm breite, grob zugehauene Eichenhölzer. Um die Staken wurden biegsame Äste (Weiden, Haselnuß, Birke) von 1 bis 3 cm Durchmesser oder flache breite Holzscheite gewunden. Auf dieses Flechtwerk wurde außen und innen ein Gemengsel aus Lehm, Sand, Wasser und Häcksel aufgeworfen. Der Häcksel verhinderte, dass sich beim Trocknen allzugroße Risse bildeten. Die kleineren Trockenrisse im Lehmbewurf waren erwünscht, ergaben sie doch eine bessere Haftung des Kalkputzes. Diese Art der Ausfachung war kostensparend, stabil und ergab gute Wärmedämmung. Andere Arten der Gefachfüllung waren Bruchstein- oder Backsteinausmauerung und das Einsetzen von Bohlen. Bei der Ausmauerung wurde in die senkrechten Hölzer Mörtelnuten eingehauen, um dem Mauerwerk besseren Halt zu geben. Die Verbindung zwischen Ausfachung und Holzgerüst war weniger haltbar als beim Lehmflechtwerk, außerdem war die isolierende Wirkung geringer. Bohlenfüllungen mussten während des Aufrichtens in seitliche Nuten eingesetzt werden und konnten später nicht gegen neue ausgetauscht werden. Sie wurden meist außenseitig mit Lehmschlag versehen.