Bautzen

Aus Mittelalter-Lexikon
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Bautzen (bis 1868 Budissin). Im nördl. Vorfeld des Lausitzer Berglandes, auf einem Felssporn über der Spree, auf dem schon im FMA. eine Befestigung der slaw. Milzener bestanden hatte, errichteten um das Jahr 950 die Markgrafen von Meißen die Ortenburg als Grenzfeste zu den slaw. Landen. In deren Schutz entstand eine Siedlung (erstmals beurkundet 1002 als „civitas Budusin“), die aufgrund ihrer Lage an einer Furt und an der Kreuzung wichtiger Handelsstraßen Bedeutung erlangte und 1158 zur Stadt erhoben wurde. Zuziehende Deutsche übernahmen um 1200 eine führende Rolle und begannen mit dem planmäßigen Ausbau der Stadt (Erweiterung der Marktsiedlung nach Osten, Errichtung der Mauer um die innere Altstadt). 1221 wurde das Domkapitel gegründet. Bereits bestehende Stadtrechte finden 1240 erste urkundl. Erwähnung; 1391 erhalten die Bürger freie Ratswahl. Um 1400 machten Deutsche etwa 2/3 der Stadtbevölkerung aus. Zusammen mit der Oberlausitz gehörte Budissin abwechselnd zur Mark Meißen, zur Grafschaft Groitzsch, zu Polen, Böhmen, Brandenburg und Ungarn. 1213 erhielt die Bürgerschaft vom böhm. König Ottokar II. die Erlaubnis zum Bau eines steinernen Rathauses. Im Mittelpunkt der Stadt entstand 1220 - 1497 der befestigte Petersdom (dreischiffige Halle mit in der Längsachse geknicktem Grundriss; erbaut über über einem roman. Vorgängerbau aus dem 10. Jh.). Im Oberlausitzer Sechsstädtebund (gegr. 1346) war Bautzen führend. 1400 und 1405-1408 erlebte die Stadt Aufstände der Handwerker gegen die Stadtherrschaft; nach deren blutiger Niederschlagung verloren die rebellischen Handwerker alle Rechte, König Wenzel ließ 14 der Rädelsführer hinrichten, andere zum Tode Verurteilte wurden des Landes verwiesen. 1429 widerstand die Stadt einer Belagerung durch die Hussiten. 1483 – 86 wurde die Ortenburg im spätgot. Stil ausgebaut. Mittelalterliche Sehenswürdigkeiten: Der oben erwähnte Dom St. Petri, die Ruine des Franziskanerklosters (1234 begründet, 1598 ausgebrannt), Ruine der Nikolaikirche (Mitte 15. Jh., 1634 ausgebrannt), Kirche St. Michael (15. Jh.), Bauwerke der Stadtbefestigung, „Alte Wasserkunst“ (Ende 15. Jh., förderte das Wasser der Spree auf das Niveau des Fleischmarktes).