Belgien

Aus Mittelalter-Lexikon
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Belgien (frz. La Belgique, fläm. Belgie). Der heutige Staat entstand 1830 als selbständige, neutrale konstitutionelle Monarchie, begrenzt von Frankreich im Westen und Südwesten, der Nordsee im Nordwesten, Holland im Norden, Deutschland im Osten und Luxemburg im Südosten. Das Gebiet deckt sich in etwa mit der röm. Nordprvinz Belgica, deren keltische Ureinwohner, die Belgii, von den Besatzern grausam dezimiert wurden. Nach dem Abzug der Römer siedelten in dem Gebiet romanisierte Gallier neben zugewanderten Germanen, durch eine heute noch bestehende Sprachgrenze geschieden. Im 5. Jh. ging die ehem. Provinz im Reich der Merowinger auf und wurde christianisiert (erstes Bistum um 400 unter Bischof Servatius in Tongeren). 751 übernahm mit Pippin d. Jüngeren der erste der Karolinger die Macht im Frankenreich, das nach dem Tod Karls d. Gr. geteilt wurde: im Vertrag von Verdun (843) wurde Westflandern und das Artois dem Westreich Karls d. Kahlen zugeschlagen, die Gebiete zwischen Schelde und Rhein kamen an das von Friesland bis in die Lombardei reichende Mittelreich Lothars I. (Ludwig der Deutsche erhielt die Reichsteile östlich des Rheins.) 889 fiel, nachdem Lothar I. ohne Erben gestorben war, dessen Anteil an der ehemaligen Belgica als Niederlothringen an das Deutsche Reich, wo er bis 1384 bleiben sollte. In dieser Zeit florierten Handel und Gewerbe, wuchsen Reichtum und Unabhängigkeit der Städte (Brüssel, Antwerpen, Gent, Brügge, Lüttich) und bildeten sich Herzogtümer, Grafschaften und Bistümer heraus, deren Namen sich in denen heutiger belgischer Provinzen wiederfinden (z.B. Brabant, Hennegau, Limburg, Namur, Luxemburg). In der Zeit nach 1384 (und bis 1830) regierten im belgischen Land nacheinander Burgunder, Habsburger, Spanier, Österreicher, Franzosen und Niederländer.