Blei

Aus Mittelalter-Lexikon
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Blei (mhd. bli, pli; ahd. blio = das [bläulich] Glänzende; lat. plumbum nigrum i. Ggs. zu Zinn/plumbum album). Weiches dehnbares, hochgiftiges Schwermetall, das als einziges Nichteisenmetall schon im FMA. in nennenswertem Umfang verarbeitet wurde (z.B. zu Bleibedachungen von Kirchen, zu ®Bleiruten für Glasfenster, zu Wasserleitungen [St. Emmeram, Regensburg, 12. Jh.], zu Bleisärgen und Reliquiaren, zum Gießen von Siegeln [Plomben] und Anhängern [Amuletten, Pilgerzeichen] und zur Herstellung von Arzneien und Farben). Geschwülste und schmerzende Glieder wurden durch Kühlen und Niederdrücken mit Bleiplatten behandelt. Runde Bleiamulette sollten vor der Pest schützen.
Häufigstes Bleierz ist Bleiglanz, chemisch ein Bleisulfid (PbS), zugleich ein wichtiger Silberträger. Bleibergwerke hatten bereits die Römer im Lahngebiet, in der Eifel und im Schwarzwald betrieben. Ma. Bleiminen gab es u.a. in Kärnten (Bleiberg bei Villach), in Südtirol (Schneeberg bei Sterzing), im Harz (Rammelsberg bei Goslar), in Schlesien (Beuthen, Troppau, Scharley, Altenburg) und im sächs. Freiberg. Typischerweise stand es vergesellschaftet mit anderen Metallen (Silber, Kupfer, Zink) an. In steinernen Schachtöfen wurde das mit Holzkohle vermischte zerkleinerte Erz erhitzt. Das abfließende Werkblei wurde von den Schlacken befreit und durch weitere Behandlung von Beimengungen (Kupfer, Silber) gereinigt. Im SMA. war Blei ein begehrter Werkstoff zum Entsilbern von Kupfer im Seiger-Hüttenverfahren (s. Metallurgie).
In der Heilkunde fand Blei trotz seiner bekannten Giftigkeit vielfältige Anwendung. Hildegard v. Bingen empfiehlt Blei, um „Narben zurückzudrängen und, in Plättchen auf die Gegend der Lenden und Nieren aufgelegt, durch seine kältere Natur den Geschlechtstrieb zu hemmen.“ Blei strahle eine derartige Kälte aus, dass sich eine innerliche Anwendung strikt verbiete. Auch warnt sie davor, Speisen und Getränke in Bleigefäßen aufzubewahren und davor, Bleidämpfe einzuatmen. Gegen das Aufblähen von Leichen rät sie, einen Bleiverband aufzulegen.
Die Volksmedizin kannte Blei als Mittel gegen Gliederreißen, Geschwülste, Überbeine und Buckligkeit (Rückgratverbiegung). In diesen Fällen wurden Bleiplatten mittels eines Druckverbands auf die betroffenen Körperstellen aufgebunden.
In der Alchemie war Blei als niederstes der sieben Metalle dem Saturn zugeordnet. Der Silbergehalt vieler Bleierze ermöglichte Scharlatanen die Vortäuschung einer Transmutation von Blei in das begehrte Silber.
(s. Löten)