Blutsegen

Aus Mittelalter-Lexikon
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Blutsegen. Beschwörungsformeln, die gesprochen wurden, um Blutungen zu stillen, gehören zu den frühesten Zeugnissen der dt. Sprache und wurden bis in die Neuzeit für wirksam gehalten. Nach der Bekehrung zum Christentum rief man in den Segen anstelle germanischer Gottheiten prominente Heilige an, vornehmlich Christus und Maria. Der Heilspruch wurde im Namen der Dreifaltigkeit meist dreimal über die Wunde gesprochen, und durch Bekreuzigungen und durch andere Gebete verstärkt. Verstärkend wirkten auch sympathetische Handlungen, wie z.B. das Verspunden oder Vergraben eines mit dem Blut des Verletzten getränkten Soff-Fetzens. Als Beispiel ein Bamberger Blutsegen aus dem 13. Jh.:

Crist wart hi erden wvnt. (Christus wurde hier auf Erden verwundet.)
daz wart da ze himele chunt. (Das wurde damals im Himmel kund.)
iz ne blvotete, noch ne svar. (Es blutete nicht, es schmerzte nicht.)
noch nehein eiter ne bar. (Noch sammelte sich (kein) Eiter.)
taz was ein file gvote stunte. (Das war eine sehr gute Stunde.)
heil sis tu wvnte. (Heil seist du Wunde.)