Christophorus

Aus Mittelalter-Lexikon
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Christophorus (grch., = Christusträger). Ohne jeden historischen Hintergrund ist die Legende von Christophorus, einem ursprünglich heidnischen Riesen (Reprobus, Offerus), der Menschen auf seinem Rücken durch einen reißenden Fluss ans andere Ufer trug. Eines Nachts begehrte ein kleines Kind hinübergetragen zu werden. Es beschwerte den Rücken des Riesen immer mehr, bis es ihn unter Wasser zu drücken drohte. Am anderen Ufer gab es sich als Christus zu erkennen und taufte den Riesen, der sich von da an Christophorus nannte. Als einer der 14. hl. Nothelfer wurde er zu einem der populärsten ma. Heiligen im südl. Deutschland, in Schlesien, Frankreich, England und Italien. Von ihm erwartete man Abwendung von Schmerz, Fürbitte bei Pestgefahr, Schutz vor plötzlichem, unversehenem Tod („mors improvisa“, "mala mors") und Hilfe in Reisegefahren. Pilger und Fahrende erwählten ihn zu ihrem Schutzpatron. Das einprägsame Bild vom bärtigen, riesenhaften Heiligen, auf einen Baumstamm gestützt das Jesuskind sicher durch reißende Fluten tragend, wurde vielfach in Monumentalfresken an Außenwänden von Kirchen entlang der Wasserwege und Handelsstraßen dargestellt (so z.B. an der Südseite der Kirche St. Johann am Wocheiner See, an der Westwand der Schlosskapelle in Marburg oder an einer Außenwand der Tiroler Burg Hocheppan im Etschtal). Dem Volksglauben nach war derjenige, der das Christopherusbild früh morgens erblickte, für den Tag gegen plötzlichen, "schlimmen" Tod (d.h. einen Tod ohne Empfang der Sterbesakramente) gefeit: "cristoferi faciem die quacumque tueris/ Illa nempe die morte mala non morieris" (An jenem Tag, an dem du dieses Bild des Christophorus siehst, an diesem Tag fürwahr wirst du einen schlimmen Tod nicht sterben) oder "Christopheru sancte/Virtutes sunt tibi tantae/Que te mane vident/Nocturno tempore rident" (Heiliger Christophorus, tugendreicher, wer dich morgens erblickt, erlebt lächelnd den Abend). Die übergroße Darstellung an Außenwänden sollte sicherstellen, dass möglichst viele Gläubige seiner auch aus größerer Entfernung ansichtig und seiner Gnade teilhaftig werden konnten. Eine „Vita et passio S. Christopheri“ hat Walter von Speyer, Subdiakon (und später Bischof?) am Dom zu Speyer (um 1000) verfasst. Die Dichtung – im Stil Ciceros und Vergils in Vers und Prosa gehalten – wurde wohl dadurch angeregt, dass der Speyerer Dom durch Vermittlung von Erzbischof Bruno von Köln Reliquien des Heiligen besaß.