Das Kloster der Minne

Aus Mittelalter-Lexikon
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Das Kloster der Minne. So lautet der Titel einer anonymen „Minnerede“ aus dem 14. Jh., die in Form einer Wechselrede in lehrhafter Weise das Thema „sinnliche Liebe“ behandelt. Der Ich-Erzähler stößt in einem paradiesischen Wald auf ein idealtypisches Kloster, dessen Anlage mit zwölf Toren auf das himmlische Jerusalem verweist. Eine liebliche Klosterfrau erläutert ihm die Regeln des Klosterlebens, die denen der höfischen Welt entsprechen und nach denen klaffer, rüemser, spotter und nider (Verräter, Prahler, Spötter und Neider) in den Kerker geworfen werden, wogegen die Mönche ihren Gottesdienst in der Form ritterlichen Frauendienstes gegenüber der Königin Liebe ableisten. Bei einem Turnier, das die Mönche mit Rittern von außerhalb ausfechten, erweisen sich die Ersteren als überlegen, als Bester erweist sich am Ende der Prior der Klosters. Der Erzähler wird zur Selbstprüfung vorübergehend aus dem Kloster geschickt, empfindet die Außenwelt, die ihm vorher paradiesisch vorgekommen war, als unattraktiv, und entscheidet sich dafür, für den Rest seines Lebens in die festgefügte Ordnung des Klosterlebens zurückzukehren.