Deditio

Aus Mittelalter-Lexikon
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deditio (lat., = Unterwerfung, Selbsthingabe). Ritueller Akt, bei welchem ein Mächtiger vor Zeugen um die Verzeihung eines Vergehens und um Gnade angegangen wurde. Der Vergebung Heischende warf sich dem Angeflehten – womöglich barfuß und im Büßergewand – zu Füßen, bekannte reuevoll seine Schuld, beschwor seinen Sinneswandel und bat um Wiederaufnahme in das alte Freundschaftsverhältnis. Hierauf hob ihn dieser mit gütiger Geste vom Boden auf, küsste ihn und führte ihn zum gemeinsamen Mahl. Derlei Unterwerfungs- und Vergebungsrituale waren zumeist vorher zwischen den Parteien minutiös abgesprochen worden. Ein spontaner Aussöhnungsversuch konnte dagegen mit endgültiger Verstoßung, Einkerkerung oder sonstiger Strafe enden. Wesentlich für das Unterwerfungsritual war die Öffentlichkeit, da erst die Zeugenschaft Vieler dem Akt Rechtsverbindlichkeit verlieh. Als ungeschriebenes Gesetz galt, dass bei erneutem Verrat oder erneuter Feindschaft eine zweite Aussöhnung nicht gewährt werden konnte.