Deutschordensliteratur

Aus Mittelalter-Lexikon
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Deutschordensliteratur. Angehörige des ®Deutschritterordens schufen, v.a. im 14. Jh., ein reiches mhd. und lat. Schrifttum zu Territorial- und Ordensgeschichte, zu Ordensregeln, zu rechtlichen und religiösen Themen sowie umfangreiche Fachliteratur zu Naturwissenschaften, Technik, Handel, Medizin usf. Die Werke bedienen sich der lateinischen, häufiger der deutschen Sprache und sind anfangs in der zeittypischen Form der Reimchronik, später in Prosa geschrieben.
Beispiele:
der sog. "Bericht Hartmanns von Heldrungen" über die Vereinigung des Livländischen Schwertbrüderordens mit dem Deutschen Orden (um die Mitte des 13. Jh. in Reimen verfasst, nur in jüngeren Prosaauflösungen erhalten; Hartmann war 1273 bis 1282 der 11. Hochmeister des Ordens);
die "Livländische Reimchronik" (Ende 13. Jh., Autor unbekannt; beschrieben werden Ereignisse zwischen 1243 und 1290, darunter die Schlacht am Peipussee);
das mlat. "Chronicon terrae Prussiae" des Peter von Dusburg [1234]; die Chronik ist in vier Teile gegliedert, von denen die ersten drei von der Gründung des Ordens handeln, von der Kulturarbeit des Ordens und seinen Kämpfen mit der heidnischen Einwohnerschaft; der vierte Teil enthält eine Weltchronik seit dem Bestehen des Ordens.
dessen freie Übertragung in deutsche Verse "Kronike von Pruzinlant" durch Nikolaus v. Jeroschin [1. Hälfte des 14. Jh.;
die "Jüngere "Livländische Reimchronik" des Bartholomaeus Hoeneke (Mitte 14. Jh., nur in einer jüngeren Prosaumschrift erhalten);
die Reimchronik des Wiegand von Marburg ("Neue preußische Chronik", Ende 14. Jh.; ursprünglich ein Werk von rund 20.000 Versen, nur in Bruchstücken einer lat. Übersetzung des 15. Jh. erhalten; Wiegand war Herold des Ordens; er verbindet Tatsachenberichte mit Mythen, Märchen und Legenden; Erhalten ist eine poln. Übersetzung des Jan Dlugosz erhalten);
die "Makkabäer" und die "Apokalypse" des Heinrich v. Hesler [14. Jh.], die "Geometrica Culmensis" [eine Landvermessungslehre in dt.Sprache]);
die "Chronik des Preußenlandes" des ®Johann von Posilge (um die Wende des 14. zum 15. Jh.), der kein Angehöriger des Ordens war, aber mit diesem sympathisierte.