Eger

Aus Mittelalter-Lexikon
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Eger (1061 als Egire, 1125 als Egere, 1179 als Egra, 1187 als Egera beurkundet; tschech. Cheb [= Flussbiegung] seit 1322, dem Zeitpunkt der Verpfändung an Böhmen, von der tschechischen Minderheit benutzt; erst ab 1920 zweite amtliche Bezeichnung). In einem Talkessel zwischen Ausläufern von Fichtelgebirge, Böhmerwald und Erzgebirge und an einer Furt durch die Eger (von kelt. Agara = das bewegte Wasser, später Agira), einem linken Zufluss der Elbe, bestand schon im 9. Jh. über dem rechten Ufer eine slaw. Burgstätte. Wegen ihrer Lage an der Kreuzung alter Handelswege (zwischen Nürnberg und Prag sowie zwischen Regensburg und Erfurt, Magdeburg, Wismarer Bucht) entstand im Schutze dieser Befestigung eine Handelssiedlung, die wie das Umland dem bayerischen Nordgau zugehörte. Eger findet 1061 erstmals urkundliche Erwähnung, wurde um 1130 durch den bayer. Markrafen Diepold III. (1093-1146) mit einer steinernen Burg bewehrt, diente um die Mitte des 12. Jh. als Kaiserpfalz (1149 oppidum, 1183 castrum imperatoris, 1299 purg), erhielt vor 1203 das Stadtrecht (1197 bzw. 1203 Erwähnung als civitas; 1242 eigenes Siegel der Bürgerschaft) und war ab 1277 Reichsstadt (civitas imperii). Ursprünglich nach Nürnberger Stadtprivileg verfasst, wurde Eger im 14. Jh. selbst zum Mittelpunkt eines Stadtrechtskreises.
Von weither kamen Kaufleute zu den Egerer Märkten. Ein solcher hatte schon von Anbeginn der Stadt bestanden. Erstes förmliches Marktprivileg war das König Albrechts vom 16. April 1306 für einen 14-tägigen Pfingstmarkt mit Geleitschutz des Reiches. Unter Kaiser Sigismund kam ein 14-tägiger Fastenmarkt dazu.
1322 gelangte Eger – von König Ludwig dem Bayern gegen 20.000 Pfund Silber verpfändet – an dessen Kriegsverbündeten, König Johann von Böhmen, und ist von da an Bestand des Königreiches Böhmen geblieben. (1918 kamen Eger und das Egerland [1135: regio Egere; 1218: provincia Egrensis; 1243: terra Egrensis; 1260: Egerlant; 1300: land ze Eger] gegen den Willen der fast ausschließlich deutschen Bevölkerung zur Tschechoslowakei.)
Von dem ma. Baubestand ist u.a. die St. Niklas Kirche erhalten, eine spätgot. Hallenkirche mit frühgot. Chor über einem roman Vorgängerbau, von dem noch die Untergeschosse des Turmes stammen. Erwähnenswert auch das Pachelbelsche Haus oder Stadthaus mit teilweise bemaltem Rippengewölbe. (In dem Haus wurde 1634 Wallenstein ermordet), die Bartholomäuskirche, die Franziskanerkirche „Mariae Verkündigung“, der Gebäudekomplex „Stöckl“ am Markt und Reste der Kaiserpfalz bzw. der Burg.