Einsiedler

Aus Mittelalter-Lexikon
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Einsiedler (mhd. einsidele; wörtl. übertragen aus grch./lat. monachus = einzeln lebend; auch waltbruoder , eremita, klusenaere). Im 3. Jh. kam in Ägypten der Brauch auf, die menschliche Gemeinschaft – vor allem der Städte – zu verlassen, um in der Einsamkeit der Wüste durch Meditation und Gebet Gott näher zu kommen. Im 4. und 5. Jh. breitet sich das Eremitentum über Palästina und Syrien aus; als Heilige verehrte Einsiedler hausten in Höhlen der Sinai- und Judäawüste. Bis zum 11. Jh. hatte sich der Brauch auch im gesamten christlichen Abendland verbreitet. Eremiten in Nordeuropa suchten die Einsamkeit auf öden Inseln in der Einöde des Meeres oder in der Wüste der Wälder. Sie hausten in einer Hütte aus Baumrinde, kleideten sich mit Fellen, nährten sich von Pflanzen, Früchten und Honig und verkehrten freundschaftlich mit den wilden Tieren. Äußerlich eher "wilden Männern" ähnlich, Hygiene demonstrativ verachtend – gleichsam als Gradmesser ihrer Weltabgewandtheit –, wurden sie als Heilige verehrt und selbst von den Großen um Rat befragt. In einer besonders strengen Form des Eremitentums lebten die ®Klausner (Inklusen, Reklusen), die sich freiwillig lebenslang oder auf bestimmte Dauer in einer Höhle einschlossen oder sich in einer Zelle bei einer Kirche, einer Brücke oder einer Stadtmauer einmauern ließen.
Dem Einsiedlerideal verschrieben waren die Orden der ®Kartäuser und ®Karmeliter.
(s. Antonius von Ägypten, Hieronymus, hl.)