Erfurt

Aus Mittelalter-Lexikon
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Erfurt. Zentral im fruchtbaren Thüringer Becken, an einer Furt durch die mehrarmige Gera (damals Erph oder Erphesa genannt), bestand im FMA. die Ortschaft Erphesfurt, „die schon vor Zeiten eine befestigte Siedlung heidnischer Bauern (urbs paganorum rusticorum) gewesen ist ...“ Hier richtete der hl. Bonifaz 742 ein Missionszentrum für Sachsen und einen Bischofssitz ein. Schon 752 wurde das Bistum jedoch wieder aufgelassen, als der Ort Erphesfurt von Pippin d. Kurzen an den Erzbischof von Mainz vergeben wurde. 805 verlieh Karl d. Gr. Erfurt das Marktrecht, um 1000 kam das Münzrecht hinzu. Im 12./13. Jh. kam die Stadt durch ihre Lage an der Via Regia Lusatiae, durch den aufblühenden Ost-West-Handel und durch das Geschäft mit Waidfarbstoff zu Reichtum, politischer Selbständigkeit (erste Ummauerung der Stadtsiedlung schon 1066) und ausgedehntem Landbesitz (auf dem Höhepunkt ihrer Macht besaß die Stadt 610 Quadratkilometer Land mit 95 Ortschaften). 1325 wurde die Krämerbrücke über die Gera erbaut, eine nördl. der Alpen einmalige Konstruktion mit Fachwerkhäusern an beiden Seiten. 1349 benutzten die Erfurter Bürger die landesweit grassierende antijüdische Stimmungsmache, um sich ihrer Juden, bei denen sie stark verschuldet waren, unter dem Vorwurf der Brunnen-, ja der Flussvergiftung, zu entledigen. Der in Avignon residierende Gegenpapst Clemens VII. bewilligte 1379 den Erfurter Artes-Schulen ein Generalstudium mit Theologie, das von Papst Urban VI. 1389 bestätigt wurde. 1392 wurde der erste Rektor der jungen Universität gewählt, die nach Prag die zweitgrößte Hochschule Mitteleuropas und die fünftälteste des Reiches war. 1483 kam Erfurt an das Kurfürstentum Sachsen. Die Stadt verlor zwar am Endes des MA. zugunsten von Leipzig an Attraktivität als Handelsort, zählte jedoch gegen 1500 mit fast 20.000 Einwohnern zu den größten Städten Mitteldeutschlands.
Das Bild der Erfurter Altstadt wird unverwechselbar geprägt von dem Nebeneinander von Dom (12.-15. Jh., reiche Kathedralplastik, bedeutende Glasmalerei in den Chorfenstern) und Severikirche (13.-15. Jh., fünfschiffige Halle mit riesigem, alle Schiffe übergreifendem Walmdach) auf dem Domberg im Herzen der Stadt. Aus der großen Zahl der aufs HMA. zurückgehenden Kirchenbauten Erfurts sei die Dominikaner- oder Predigerkirche (nach 1270 - um 1375) genannt, eine frühe Hallenkirche mit spätgot. Lettner und geschnitztem Hochaltar. In dieser Klosterkirche soll Meister Eckart 1294 seine erste deutsche Predigt gehalten haben.