Feige

Aus Mittelalter-Lexikon
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Feige (mhd. vige; lat. ficus; hier: ficus carica = Echte Feige). Im Mittelmeerraum beheimateter sommergrüner und laubabwerfender Baum, zählt zu den ältesten Kulturpflanzen überhaupt und wurde hauptsächlich wegen der nahrhaften birnenförmigen Früchte angebaut. Diese sind reich an Fruchtzucker, Vitaminen und Mineralstoffen und wurden roh und getrocknet verzehrt. Die Feige wird schon in der Bibel als Fruchtbaum erwähnt, und ein Feigenblatt diente Adam und Eva nach dem Sündenfall zur Verhüllung ihrer Scham. In vorrömischer Zeit war der Feigenbaum den Germanen unbekannt. Getrocknete Feigen dürften erst von röm. Legionären und später von Mönchen in die Gegenden nördl. der Alpen gebracht worden sein.
Dioskurides schätzt die medizinischen Qualtäten der Feige und nennt Heilanzeigen wie Nieren- und Blasenleiden, Husten und Atemwegskrankheiten. In ma. Kräuterbüchern wird die abführende Wirkung hervorgehoben. Der „Macer Floridus“ nennt Feige nur als Adjuvans, so z.B. zusammen mit Honig und Essig in einem Senfpflaster gegen Gicht, Leber- und Milzverhärtung. Hildegard v. Bingen empfiehlt gegen tränende Augen das Aufllegen eines taubenetzten, sonnenwarmen Feigenblatts. Außer als Arznei wurden Dörrfeigen auch als Kräftigungsmittel für Rekonvaleszenten und als Reiseproviant geschätzt.
Im deutschen Aberglauben spielt die Feige keine Rolle, ist sie doch zu spät bekannt geworden, um entsprechend zu verwurzeln. Einzig in der Geste des „Feigezeigens“, wobei der Daumen zwischen Zeige- und Mittelfinger der Faust geklemmt und jemandem entgegegestreckt wird, kam – ausgehend von den romanischen Ländern – im MA. auch bei uns in Gebrauch; und zwar als Abwehrmittel (besonders gegen den Bösen Blick), als Zeichen der Verachtung und als obszöne Gebärde. (Letzteres wohl wegen des Bildes einer Vereinigung von Phallus und Vulva.)