Flamel, Nikolaus

Aus Mittelalter-Lexikon
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Flamel, Nikolaus (Flamellus, Nicolas; ~1330 – ~1418). Geboren zu Pontoise (nordwestl. Paris) als Sohn zum Katholizismus bekehrter jüdischer Eltern, der in einer Klosterschule eine solide Bildung bekam und in Paris als Schreiber und Buchkopist ein bescheidenes Dasein fristete. Es geht die Sage, dass er durch einen Zufall ein auf Baumrinde und in fremdartigen Schriftzeichen geschriebenes Manuskript entdeckte, das sich als alchemistische Gebrauchsanweisung eines Juden namens Abraham erwies und die Herstellung einer Panazee, des „Steins der Weisen“, zum Inhalt hatte. Am 17. Januar 1382 sei ihm das erste Mal die Herstellung von Silber aus Quecksilber gelungen, am 15. April gleichen Jahres habe er zweimal das gleiche Material in Gold verwandelt. Seine Kunst habe ihm zwar großen Reichtum eingebracht, er habe jedoch mit seiner Frau Petronelle weiter in Bescheidenheit gelebt und viele fromme Stiftungen errichtet. (Das Geld dafür stammte wahrscheinlich aus lukrativen Immobiliengeschäften.) - Nach seinem Tod kam das Gerücht auf, man habe das Ehepaar Flamel – Dank der Wundermedizin aus dem Rindenmanuskript bei guter Gesundheit – in fremden Landen gesehen. Das Gerücht dürfte dadurch entstanden sein, dass noch nach seinem Tod alchemistische Schriften unter Flamels Namen erschienen sind. (Befeuert haben dürfte das Gerücht die seit dem 13. Jh. umlaufende Volkssage vom "ewigen Juden". Derzufolge habe ein Jude Jesus Christus auf dessen Weg zur Kreuzigung verspottet, und war von diesem dafür verurteilt worden, auf ewig durch die Welt zu wandern. Die antijüdische Legende vom ewig wandernden Juden wurde von dem engl. Benediktinermönch Matthaeus Parisiensis niedergeschrieben.)