Fliege

Aus Mittelalter-Lexikon
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Fliege (Große Stubenfliege, Gemeine Hausfliege; mhd. vliege, fleuge; lat. musca; zool. Musca domestica). Das wohl bekannteste Insekt aus der Ordnung der sechsbeinigen Zweiflügler von bis zu 7,5 mm Körperlänge, das sich in der Gärungswärme von Kot, Aas oder anderem faulenden Unrat innerhalb weniger Tage und über mehrere Stadien (Larven, Puppe) zum fertigen Exemplar (Vollkerf) entwickelt. Aufgrund der großen Eierzahl eines Geleges (jeweils 100 bis 150 Stück) und der kurzen Generationszeit kommt es zu einer starken Vermehrung. Wegen ihrer Vorliebe für menschliche und tierische Se- und Exkrete können sie viele Arten von Krankheitskeimen übertragen, so z.B. die von Typhus, Ruhr, Tuberkulose oder Trachom (ägypt. Augenkrankheit).
Man hat im MA. wie in der Antike angenommen, dass Fliegen quasi per Urzeugung (de novo) aus Dreck entstünden. Konrad v. Megenberg lehrte: „Die Fliegen entstehen aus faulem Mist. Sie gebären Maden, aus denen sich neue Fliegen entwickeln.“ Man nahm an, dass sie mit den Füßen schmecke und mit den Fühlern höre und rieche. Man hat die allgegenwärtige Fliegenplage als lästig und eklig empfunden und ist mit aromatisch riechenden Pflanzen (Thymian, Lavendel), mit Räucherungen und organischen Präparaten dagegen angegangen (Konrad von Megenberg empfiehlt einen Aufguss von Fliegenpilz, s. Drogen). Im übrigen rief man Heilige als Fliegenbanner an oder ließ die Fliegenplage durch ein geistliches Gericht verdammen.
Verhasst wie sie waren, wurden Fliegen zu einem der Symboltiere des Teufels (Beelzebub = Herr der Fliegen). Dem gelehrten Gottesmann Paulus Diaconus (8. Jh.) erschien der Böse als Fliege, vor dem Bischof Otto von Bamberg (11./12. Jh.) flohen die Dämonen in Fliegengestalt, als er einen heidnischen Tempel reinigte. Auch Hexen und Zauberer, die Diener Satans, verwandelten sich gerne in Fliegen.
In der ma. Volksmedizin waren Fliegen lediglich in Präparaten gegen Augenleiden von einiger Bedeutung, außerdem nahm man eine Salbe aus zerquetschten Fliegen gegen Haarausfall und Hautleiden.