Fortunatus, Venantius

Aus Mittelalter-Lexikon
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Fortunatus, Venantius (Venantius Honorius Clementianus F.; um 530 - um 610). Erster christlich-lateinischer Dichter des MA. Gebürtig aus Oberitalien (Treviso), studierte in Ravenna, unternahm 565 aus Dank für die Heilung von einer Augenkrankheit eine Wallfahrt zum Grab des hl. Martin von Tours, in deren Verlauf auch an den Hof des Merowingerkönigs Sigebert von Austrasien gekommen ist und dort zum Hofdichter avancierte. 567 gelangte er nach Poitiers, wo er die von ihrem Gatten, dem Frankenkönig Chlotar I., getrennt lebende Radegundis kennenlernte; die führte dort als einfache Nonne ein asketisches Leben in einem von ihr selbst gegründeten Kloster. Ihre Pflegetochter Agnes hatte sie dortselbst als Äbtissin eingesetzt. In seiner "Vita sanctae Radegundis" (um 600) beschreibt Venantius u.a. die wunderbare Heilung der Nonne Animia, die auf eine geschaute Anweisung der Radegunde hin geschah. Als reifer Mann erhielt er die Priesterweihe, wurde Seelsorge und Interessensvertreter des Klosters der Radegundis und später noch Bischof von Poitiers.
Von seinen Schriften ist vor allem die epische Dichtung „De vita Martini Turonensis“ zu erwähnen, die er auf Anregung der Radegunde hin in vier Bänden niederschrieb und dem Bischof Gregor von Tours, seinem Förderer, widmete. Als Quelle benutzte er die Martinsvita des Sulpicius Severus (um 420). – Außerdem schrieb er einen Reisebericht über eine Moselfahrt („De navigio suo“) und viele geistliche Lieder und Gedichte.