Friesen

Aus Mittelalter-Lexikon
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Friesen (lat. Frisii, Frisiaevones, Fris[i]ones). An der Nordseeküste zwischen Weser- und Rheinmündung war seit prähistorischer Zeit der westgermanische Stamm der Friesen beheimatet. Sie hatten schon eigene Kultur und eigene Sprache entwickelt, lebten von Fischfang, Viehzucht und Handel, als sie von röm. Autoren (Plinius, Tacitus) erwähnt wurden. Der Kontakt mit der röm. Kultur hatte außer gesteigertem Handelsverkehr keinen weiteren Enfluss auf die Eigenart der Friesen. Nach dem Zerfall des röm. Reiches dehnten sie ihren Machtbereich über den Rhein bis in die heutigen Niederlande und über die Weser nach Jütland aus (Großfriesland). Im 7. Jh. scheiterten christl. Missionare, hauptsächlich angelsächsischer Herkunft, bei dem Versuch, die Friesen zu christianisieren (s. Willibrord). Im 8./9. Jh. wurden sie von den Franken bekriegt und (nach der Ermordung des Missionars Bonifatius, 754) von Karl d. Gr. 785 endgültig unterworfen und zwangsbekehrt. Ein Teil der Friesen wanderte darauf in die Küstenregionen der östl. Nordsee aus (Nordfriesen). In der Folgezeit kam Westfriesland bis zum Ijsselmeer unter die Macht der Grafschaft Holland, während Mittelfriesland und das angrenzende östliche Friesland in einzelne Bauernrepubliken (terrae) zerfielen, die zwar die Oberhoheit des Kaisers anerkannten, sich jedoch den Feudalisierungsansprüchen der Fürsten in zähen Kämpfen widersetzten. 1457 anerkannte Kaiser Friedrich III. die Autonomie der Friesen, enthob sie endgültig aller Herrschaftsansprüche der Grafen und Fürsten.