Görlitz

Aus Mittelalter-Lexikon
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Görlitz. Der sorbische Ort an der Lausitzer Neiße findet erstmals 1071 als villa gorelic im Gau milska (im Land der slawischen Milzener) Erwähnung. Dank seiner günstigen Lage am Kreuzungspunkt wichtiger Handelsstraßen – der Hohen Straße (Via Regia, Sachsen-Schlesien) und der Böhmischen Straße (Böhmen-Ostsee) – kam es zum Zuzug vieler Handwerker und Kaufleute aus Franken, Thüringen und der Mark Meißen. Gorelic (sorb. Yzhorelic) entwickelte sich im Schutze einer Burg zu einer blühenden Gewerbe- und Handelssiedlung. Die wichtigsten Handelsgüter waren Waid aus Erfurt und Tuch aus heimischer Produktion. Etwa um 1220 bekam die Siedlung Stadtrechte, welche 1303 bestätigt wurden. Im 13. Jh. kam es zu einer planvollen Erweiterung nach regelmäßigem Grundriss und zur Anlage starker Befestigungsbauten. Die mit zahlreichen Privilegien, darunter das Münzrecht und das Stapelrecht für Waid, begabte Stadt spielte ab 1346 eine bedeutende Rolle im Oberlausitzer Sechs-Städtebund und galt um 1400 als wichtigste Stadt zwischen Leipzig und Breslau. Ihre Glanzzeit erlebte sie im 15./16. Jh., wovon zahlreiche Bauten der Spätgotik und der Renaissance Zeugnis ablegen. Als sehenswerte Bauten aus dem MA. (im deutschen Teil der Stadt auf dem linken Neißeufer) seien genannt: der Dom St. Peter und Paul (weiträumige fünfschiffige got. Hallenkirche, erbaut 1423-1497 über einem spätroman. Vorgängerbau, geweiht 1230; bemerkenswerte Unterkirche St. Georg unter dem Chor; neugot. Turmgeschosse und -helme); Dreifaltigkeitskirche (ab 1. Hälfte 13. Jh., erbaut als Klosterkirche der Franziskaner); Nikolaikirche (dreischiffige spätgot. Hallenkirche, 1452-1520, auf dem Standplatz der ältesten Stadtkirche von um 1100); Frauenkirche (1449-86); „Heiliges Grab“ (Kopie des Hl. Grabes von Jerusalem, verbindet Architektur, Plastik und Landschaftsgestaltung; 1481-1504); Bauten der sma. Stadtbefestigung („Kaisertrutz“, „Dicker Turm“, Reichenbacher Turm, Nikolaiturm).