Gautschen

Aus Mittelalter-Lexikon
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Gautschen (vielleicht zu frz. coucher = niederlegen, -drücken; in der Fachsprache der Papiermacher bedeutete gautschen das Herauspressen von Wasser aus Stapeln von Papierblättern). Die Bezeichnung steht für einen sma. Brauch der Papiermacher und Buchdrucker, bei dem die ausgelernten Lehrlinge zeremoniell in den Stand von Gesellen erhoben wurden. Dabei wurden sie von Anpackern (bereits gegautschten Gesellen) unter der Anleitung eines Gautschmeisters mehrmals in einem wassergefüllten Fass (der Bütt, mhd. büte) untergetaucht. In Analogie zur Immersionstaufe sollte er reingewaschen werden von den Sünden der Lehrzeit. Der „Gäutschling“ erhielt darauf den „Gautschbrief“, der im Ansehen den Gesellenbrief noch übertraf, und musste einen Freitrunk ausgeben. Der Brauch war typisch für die im MA. geläufige derbe Art von gruppenspezifischen Festen.