Georg von Trapezunt

Aus Mittelalter-Lexikon
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Georg von Trapezunt (Georgios Trapezuntios, so benannt, weil seine Familie aus dem so geheißenen Nachfolgestaat des Byzant. Reiches stammte; 1395 - ~1484). Auf dem seinerzeit zu Venedig gehörenden Kreta geborener grch. Gelehrter und Philosoph. Er kam um 1430 nach Italien, wo zum Katholizismus konvertierte und nach Erlernen des Lateinischen als Lehrer für Rhetorik und Dialektik sowie als Übersetzer antiker Autoren (Platon, Aristoteles, Ptolemaeus) und als Kommentator (u.a. von Cicero und Gregor von Nazianz) wirkte. Als Sekretär von Papst Eugen IV. nahm er am Basler Konzil (1431-49) teil und war auch für dessen Nachfolger tätig. Obwohl er sich als begabter Lehrer an ital. Schulen (Venedig, Padua, Vicenza, Rom, Neapel) sowie als fähiger Beamter an der Kurie erwiesen hatte, beendete er 1450 freiwillig seine Lehrämter und lebte vereinsamt und in Armut – hatte er sich doch durch endlose Streitereien und Prozesse zu viele Feinde gemacht. Um 1484 ist er in Rom gestorben.
Als sein wohl wichtigstes Werk und erste lateinische Rhetoriklehre des Humanismus gilt das Rhetoricorum libri quinque, das in 24 Handschriften überliefert ist; 1433/34 wurde es zum ersten Mal in Venedig veröffentlicht und ging von ca. 1472-1547 mindestens neun Mal in Druck. Es stellt den anspruchsvollen Versuch dar, die griechisch-byzantinische Lehre der Rhetorik (Hermogenes, Aristoteles und Dionysios von Halikarnaß) mit der lateinischen (Cicero, Quintilian, Marius Victorinus u. a.) zu vereinen.