Gernrode

Aus Mittelalter-Lexikon
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Gernrode. Am NO-Rand des Harz, 7 km südlich von Quedlinburg verwandelte 961 Markgraf ®Gero seine Burg Geronisroth in das edelfreie Benediktiner-Chorfrauenstift St. Cyriakus um, als dessen erste Äbtissin seine mit 20 Jahren verwitwete Schwiegertochter Hathui (gest. 1014) amtierte. 963 überführte Gero ein Armreliquie des hl. Cyriakus aus Rom in die Stiftskirche. Der neugegründete Konvent unterstand unmittelbar dem Papst, außerdem bekam er durch Otto I. Königsschutz verliehen. Die sogleich nach der Klostergründung begonnene und von Hathui zügig ausgebaute Kirche war noch vor der Jahrtausendwende vollendet und zählt neben denen von Gandersheim, Quedlinburg und Essen zu den bedeutendsten Stiftskirchen des 10. Jh. Die erste Weihe fand 963 statt, schon 965 wurde der Stifter in der Kirche beigesetzt. Von dem 989 vollendeten Gründungsbau, einer doppelchörigen, dreischiffigen Flachdeckenbasilika mit dreitürmigem Westwerk, Vierungsturm und Hallenkrypta haben sich das Schiff, die Ostteile mit der Krypta und die runden Westtürme erhalten. Von einem Umbau um die Mitte des 12. Jh. stammen der Westchor und die Westkrypta. Vom Kreuzgang und den Stiftsgebäuden, im 12. Jh. entstanden, sind nur Reste erhalten.
Das Stift erlebte seine größte Blüte in ottonischer und salischer Zeit, als es über weitreichenden Grundbesitz und 23 Dörfer verfügte. Eine Ansiedlung, die nahe dem Stift entstanden war, erhielt gegen Ende des 12. Jh. das Marktrecht und wurde 1539 zur Stadt erhoben. 1046 hatte man mit dem Bau der Stadtkirche St. Stefan begonnen, für die 1188 Kaiser Barbarossa anlässlich seines Besuches eine Glocke stiftete. Bedeutung erlangte Gernrode durch den im nahen Gebirge seit 1037 betriebenen Bergbau auf Silber, Kupfer und Zinn.