Glücksrad

Aus Mittelalter-Lexikon
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Glücksrad (mhd. gelückerat; mlat. rota fortunae). In Dichtung und darstellender Kunst des MA. findet sich häufig das Symbol des Glücksrades, hergeleitet von dem Attribut der antiken Glücksgöttin Fortuna. An der Peripherie eines von Gottes oder Fortunas Hand gedrehten Speichenrades werden Arme oder Hilfsbedürftige zum Zenith von Reichtum oder Macht emporgeschwungen, um mit dem gleichen Schwung auf der anderen Seite wieder zu Armut und Schwäche niederzufahren. In einer Darstellung (aus der astronom. Sammelhandschrift Cod. 2352, Wien) sind – bei 9 Uhr beginnend – vier Stationen eines Königslebens dargestellt: regnabo, regno, regnavi, sine regno. Damit soll auf die Eitelkeit und Vergänglichkeit irdischen Glücks verwiesen werden. Andere Glücksräder ("Lebensräder") demonstrieren die Wandelbarkeit von Jugend und Reife zu Alter und Greisentum oder die Unbeständigkeit der Jahreszeiten. Von diesem Bild des Glücksrades kommt die Redewendung "Das Rad wird sich wenden" i.S.v. "Das Schicksal wird sich ändern". Eine der ältesten Darstellungen des Glücksrades findet sich im Hortus deliciarum der Herrad von Landsperg. Ein Lebensrad (13. Jh) ist am Südportal der Kathedrale von Amiens dargestellt.