Gusseisen

Aus Mittelalter-Lexikon
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Gusseisen. Durch wasserradgetriebene Blasebälge angefachte und mit Holzkohle befeuerte Schmelzöfen (Windöfen) erbrachten die erforderliche Temperatur von 1250 ° C, um flüssiges Eisen für den direkten Guss zu gewinnen. Die Gusstechnik selbst glich der beim ®Bronzeguss. Gusseisen ist je nach Kohlenstoffgehalt (3 – 4,5%) von unterschiedlicher Sprödigkeit und nicht schmiedbar. Als ältestes Zeugnis für deutschen Eisenguss gilt ein 75 kg schwerer Gusseisenpfahl, den die Johanniter des pommerschen Tempelburg im 14. Jh. als Grenzmarkierung gesetzt hatten. Eine frühe urkundliche Erwähnung eines Eisengießers findet sich im Stadtarchiv von Frankfurt a. M. in Form der Niederlassungsbewerbung eines Büchsenschützen namens Merckiln Gast, der "bussen (Büchsen) uz jsen gyeszen" konnte. Im 15. Jh. kam es zu einer starken Ausweitung der Eisengießerei, die außer Büchsen und Geschützkugeln auch Grabplatten, Brunnentröge, Ofenplatten und andere zivile Gebrauchsartikel hervorbrachte. Zentrum der sma. dt. Eisengießerei war Siegen und das umliegende Siegener Land sowie Nürnberg und die Oberpfalz. Sollte das spröde und nicht schmiedbare Gusseien in Stahl umgewandelt werden, so musste der Kohlenstoff-Gehalt vermindert werden (Entkohlung). Dies geschah durch Umrühren („Puddeln“) in flachen Herden, wobei der Kohlenstoff verbrannt wurde. (s. Eisen, Metallurgie)