Handelsstraßen und Pestausbreitung

Aus Mittelalter-Lexikon
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Handelsstraßen und Pestausbreitung. Die Pestzüge folgten seit ca. 1331 den bestehenden Handelsstraßen. Ausgehend von Zentralasien (1331/32) gelangte der Erreger entlang der durch das Chanat der Goldenen Horde führenden Handelsstraße (Seidenstraße) über Sarai auf die Krim, und dort zu Genueser Handelsniederlassungen in Tana am Asowschen Meer und nach Konstantinopel, sowie nach Caffa (Theodosia) am Schwarzen Meer. Genuesische Galeeren brachten die Seuche 1347 von dort nach Konstantinopel, nach verschiedenen dalmatinischen Inseln und Küstenstädten, danach nach Messina und weiter nach Genua und Marseille. Von Genua aus ging die Infektion entlang der Handelswege nach Süden und nach Norden, wo sie über die Alpenpässe hinweg Deutschland erreichte (1348 das nördl. Alpengebiet, 1349 Süddeutschland und 1350 Norddeutschland). Von Marseille aus wurde sie über die Handelsrouten im Rhonetal nach Nordwesteuropa verschleppt. Spanien, Westfrankreich, England und Dänemark wurden von der Pandemie auf den Schiffahrtswegen erreicht. Von Lübeck aus, das die Pest 1350 auf dem Landweg erreicht hatte, wurden Schweden und die baltischen Hafenstädte verseucht. Von Norddeutschland drang die Seuche ostwärts vor und erreichte 1351 Polen, 1352 Nowgorod und kurz danach Moskau. Das westl. Böhmen, Oberschlesien, die Niederlande, Nordskandinavien und Ungarn blieben von der Pandemie - aufgrund von Quarantänemaßnahmen oder einer besonderen immunologischen Konstitution der Bevölkerung ? - verschont.
(s. Pest)