Hansekriege

Aus Mittelalter-Lexikon
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Hansekriege. Das weitausgreifende System der Hanse beruhte auf Handelsprivilegien und Marktvorteilen, welche den einheimischen Kaufmannschaften zum Nachteil gereichen mussten. So kam es immer wieder zu Handelsauseinandersetzungen, deren Ende teils durch Boykott und Blockade herbeigezwungen, teils auf dem Verhandlungswege gütlich beigelegt, in manchen Fällen aber auch mit kriegerischen Mitteln ausgefochten wurden. Bei den Hansekriegen ging es nie um Landgewinn oder Niederwerfung eines Regenten, sondern stets um die Sicherung merkantiler Interessen. Die Hanse unterhielt keine ständige Kriegsflotte, sondern rüstete im Bedarfsfall kurzfristig Handelsschiffe zu Kriegsschiffen um. Allerdings gab es Ansätze einer zentralen militärischen Organisation in Form der Hamburger Admiralität ("officium admiralitatis", 1440), die das eingelagerte Kriegsgerät verwaltete, die Mannschaften musterte und deren Disziplin überwachte. Brachten diplomatische Bemühungen - denen schon aus Kostengründen stets der Vorzug gegeben wurde - keinen Erfolg, so konnte der Hansetag Vorhaben und Ziel eines Seekriegsunternehmens definieren und die von den einzelnen Städten zu stellenden Kontingente und Geldmittel festlegen.
Als frühestes Beispiel seestrategischen Handelns zur gewaltsamen Durchsetzung handelspolitischer Ziele gilt die Seeblockade Norwegens (1284). Die Besetzung Gotlands durch den dänischen König Waldemar IV. Atterdag (1360), welche den Handel empfindlich störte, war Anlass für ein Kriegsbündnis, das interessierte Hansestädte auf dem Hansetag in Köln (1367) schlossen. Die Hanseflotte zerstörte Kopenhagen und verwüstete die Küstenstriche Dänemarks und Norwegens. Im Frieden von Stralsund (1370) wurden die Privilegien der Hanse bestätigt, erlangte sie Einfluss auf die Wahl des dänischen Königs. – Ende des 14. Jh. wurde die Ostsee in steigendem Maße von Piraten unsicher gemacht, die von Gotland und von Stützpunkten in Küstenstädten aus Kaperfahrten unternahmen. Ein Militärbündnis der führenden Hansestädte mit dem Deutschritterorden beendete die Piraterie: der Orden besetzte Gotland 1398 mit 84 Schiffen, Schiffe der Hanse säuberten die Ostsee. Versprengte Seeräuber, die sich in die Nordsee geflüchtet hatten, wurden 1400 und 1401 besiegt. – 1426 versuchte der dänische König Erich der Pommer Zollerhebung von fremden Schiffen, die den Sund durchfuhren. Nach neunjährigem Kampf gab Erich gegenüber der Hanse nach und befreite im Frieden von 1435 die wendischen Hanseschiffe von der Zollerhebung. – Wegen der Verletzung hanseatischer Handelsinteressen kam es 1469 zum Krieg mit England und 1470 mit Frankreich. England kapitulierte und musste im Frieden von Utrecht (1474) die alten Privilegien der Hanse erneuern und Reparationen zahlen. Auch Frankreich gab sich geschlagen und stellte im „Ewigen Frieden“ von 1483 die Hanseprivilegien wieder her.