Heiliges Grab

Aus Mittelalter-Lexikon
Zur Navigation springen Zur Suche springen

Heiliges Grab. Über dem Felsengrab Christi vor den Toren Jerusalems hat Kaiser Konstantin um 330 einen überkuppelten Rundbau mit innerem Säulenkranz – die Anastasis (grch., = Auferstehung) – errichten lassen. Nach dessen Vorbild entstanden im europäischen MA. viele Heilig-Grab-Denkmäler, sei es als selbständiger Rund- oder Polygonalbau (Fuldaer Michaelskapelle, 822; Busdorfkirche in Paderborn, ab 1036; Johanneskirche in Helmarshausen, 1100-1126; Görlitzer Grabkapelle, vor 1500), als Einbau in eine Kirche (St. Cyriakus zu Gernrode, um 1080; ehem. Schottenkirche, heute Kapuzinerkirche Eichstätt, um 1160; Mauritiuskapelle des Münsters zu Konstanz, um 1280) oder als Figurengruppe (meist im Seitenschiff, z.B. im Freiburger Münster, um 1330; im Dom zu Mainz, vor 1500). Zu der Figurengruppe gehörten außer dem im Grab liegend dargestellten Jesus auch Figuren, die mit Begräbnis und Auferstehung Jesu eng verbunden sind: die schlafenden Wächter, die drei Marien, Joseph von Arimathaea, Pilatus, Nikodemus und mehrere Engel.
Eine weitere Stilart des „Heiligen Grabes“ stellt ein Sarkophag dar, der zu Ostern auf einem fahrbaren Untersatz an einen zentralen Ort in der Kirche gerollt wurde (Beispiel: der spätgot., in Form einer chorlosen got. Kirche aus Lindenholz geschnitzte Sarkophag, entstanden um 1500, heute im Schlossbergmuseum Chemnitz).
Außer den genannten Beispielen aus Deutschland entstanden auch viele Heilig-Grab-Architekturen in anderen europäischen Ländern, so in Italien (Rom, Sa. Constanza, 356), in Portugal (Tomar, Kirche einer Templer-Burg, um 1200), in Spanien (Templer-Kirche Vera Cruz in Segovia, geweiht 1208) oder in England (Cambridge, Pfarrkirche Holy Sepulchrum, um 1200).