Heinrich der Glichezaere

Aus Mittelalter-Lexikon
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Heinrich der Glichezaere (mhd. gelichsenaere, glisnere = Gleisner, Heuchler; der Beiname könnte auf einem Überlieferungsfehler beruhen; 12. Jh.) Dichter und Minnesänger aus dem Elsaß, verfasste um 1185 die erste dt. Tierdichtung "Reinhard Fuchs" (2.268 Verse), deren älteste Fassung nur in Bruchstücken (688 Verse) erhalten ist. Das Versepos geht auf den afrz. "Roman de Renart" zurück und bezieht äsopsche Fabeln und dt. Rechtsbräuche mit ein. Der Fuchs Reinhart spielt in der als bittere Satire angelegten Geschichte die Rolle des Bösen schlechthin, entlarvt gleichzeitig die Schlechtigkeit seiner Partner und Gegner. Politisches Ziel ist die im Elsaß als ungerecht-willkürlich empfundene Herrschaft der Staufer. Außerdem dienen Reliquienkult, Visionswesen, Mönchstugenden und die höfische Mode des Minnedienstes als Zielscheiben.