Hering

Aus Mittelalter-Lexikon
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Hering (mhd. haerinc; wiss. Clupea harengus = atlantischer H.) Im nördl. Atlantik und in der Ostsee verbreiteter Schwarmfisch, der aufgrund seines massenhaften Auftretens eine wichtige Nahrungsquelle für anderes Seegetier und – seit Beginn der Hochseefischerei im MA. – für den Menschen ist. Der Historiograph Arnold von Lübeck schreibt um 1210 von derart gewaltigen oberflächennahen Heringsschwärmen vor der Küste Südschwedens, dass sie die Fahrt der Schiffe hemmten. Besonders vor dem im Süden Schwedens gelegenen dänischen Provinz Schonen fanden sich jährlich im Spätsommer Fischereiflotten zum Heringsfang ein, wenn die Fische vor dem Laichen besonders groß und fett waren. Gefischt wurde von etwa 18 m langen und 5 m breiten, flachgehenden Booten (Prahmen), die mit fünf Fischern bemannt waren und eine Ladekapazität von ca. 12 Tonnen hatten. Fanggerät waren Netze, in deren Maschen sich nur fangwürdige Exemplare („Vollheringe“) fingen. Der Fang wurde an Land von Saisonarbeitern aus ganz Europa in eigenen Verarbeitungsbezirken ausgenommen, danach getrocknet oder eingesalzen. Zum Verschiffen nach dem Kontinent und nach England wurde der Fisch zusammen mit Salz oder Salzlake in Fässer geschichtet. (Zum Konservieren von Hering wurde ein Fünftel seines Gewichts an Salz benötigt). Als Massenware wurde er zu einem der wichtigsten Handelsgüter der Hanse. Heringszoll füllte die Säckel von Städten und Ländern, Heringshandel ernährte Großhändler, Kaufleute und Höker und ließ Salzsiederei und Böttcherei erblühen. Hering stand auf dem Tisch von Reich und Arm und war zur Fastenzeit geradezu unverzichtbar. Der exzessive Heringsfang in der Ostsee führte am Ende des MA. zu einem starken Rückgang der Bestände. Gleichzeitig begann der Aufstieg des Heringsfangs in der Nordsee.