Holunder

Aus Mittelalter-Lexikon
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Holunder (Hollerbusch, Holler; mhd. holunder, holunter, holder, holre; der Name leitet sich wohl von der mytholog. Figur der Frau Holle ab, welcher der Baum geweiht war; lat. sambucus; botan. Sambucus nigra). In fast ganz Europa, Asien und Nordafrika beheimateter bis zu zehn m hoch wachsender Strauch mit unpaarig gefiederten elliptischen Blättern, gelblich-weißen, in Trugdolden angeordneten starkduftenden Blüten und schwarz-violett glänzenden Beeren. Bevorzugte Standorte sind Waldränder, Bachufer und Auenwälder.
Die mannigfaltigen therapeutisch nutzbaren Inhaltsstoffe von Teilen des Strauches (vor allem der Blüten und Beeren) haben schweiß- und harntreibende, schleimlösende, entzündungshemmende und zusammenziehende Wirkungen.
In der Antike kannte man für Wurzeln, Beeren und Blätter des Strauches zahlreiche Heilanzeigen. Hippokrates emofahl H. als harntreibendes Mittel. Dioskurides nutzt H.-Präparate als schleim- und gallelösendes Mittel und setzt sie gegen Frauenleiden, Geschwüre, Furunkel und Schlangen- und Hundebisse ein.
In der Klostermedizin wird H. als wärmend und trocknend qualifiziert, seine therapeutischen Wrkungen als fiebersenkend, schmerzlindernd, abführend und entwässernd.
Hildegard v. Bingen verordnet gegen Gelbsucht eine Schwitzkur, beginnend mit einem Dampfbad mit Holunderblättern, dazu einen Trank aus in Wein eingelegten H.-Sprossen und anschließender Bettruhe.
In der Volksmedizin hielt man den H. als besonders geeignet zum „Übertragen“ (Verspunden) von Krankheiten jeder Art. Abwärts geschabte Rinde sollte als Abführmittel, aufwärts geschabte als Brechmittel wirken.
Im ma. Aberglauben wurde er zumeist als Schutzbaum von Haus und Stall und als Heilstoff-Lieferant in hohen Ehren gehalten, seltener als Teufelsbaum verrufen; das Letztere wohl wegen der Meinung, der Verräter Judas habe sich an einem H.-Baum erhängt (vgl. Weide (Salix)).
Handwerklich wurde der Saft der H.-Beeren als Färbemittel (rote, schwarze, violette, blaue Töne), die Rinde als Gerbstoff benutzt.