Inchenhofen

Aus Mittelalter-Lexikon
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Inchenhofen. Eine zum Zisterzienserkloster Fürstenfeld gehörende Kapelle in dem kleinen Dorf (ab 1400 Markt) Imechinhovin (ca. 20 km nordwestl. von Augsburg) bekam 1289 von Rom Ablässe verliehen, durch welche eine bereits bestehende Leonhardswallfahrt gewaltig an Bedeutung gewann. Schon 1332 wurde in Leahed (wie der Ort von der einheimischen Bevölkerung statt Leonhard genannt wird) eine größere Wallfahrtskirche geweiht, Anziehungspunkt für Pilger und Wallfahrer aus dem südl. Deutschland sowie aus Österreich, Oberitalien, Ungarn, Böhmen und Polen. 1343 wurde das erste Mirakelbuch über die "Gutthaten" Leonhards angelegt. St. Leonhard zog als Helfer in allen Notlagen, besonders als Patron der Mütter und Gefangenen, große Pilgerströme an. (Der Legende nach hat Leonhard einer Königin zu glücklicher Entbindung und einem zum Tode verurteilten Ritter und seinen Leidensgenossen zur Lösung aus der Kerkerhaft verholfen. Die zerbrochenen Ketten sollten später zu Viehketten umgedeutet werden.)
Für sechs Jahrhunderte genoss Inchenhofen den Ruf, nach Jerusalem, Rom und Santiago de Compostela an vierter Stelle der christl. Wallfahrtsziele zu stehen. 1457 dürfte der erste Leonhardiritt durchgeführt worden sein. Ursprünglich ritt man in der Kirche um den Hochaltar, später außen um die Kirche herum. Höhepunkte des Wallfahrtsjahres waren der Pfingstmontag und der Sonntag nach dem 6. November (dem Todestag St. Leonhards). Häufigste Votivgaben waren Ketten oder eiserne Gegenstände, aus denen Ketten geschmiedet werden sollten –war doch die zerrissene Kette neben dem Abtstab das Attribut des Heiligen. Die Wundertaten Leonhards – dementsprechend die Votivgaben – waren so zahlreich, dass das Innere der Kirche zeitweilig eher einer Schmiede als einem Gotteshaus geglichen haben soll. (Als Viehpatron wurde Leonhard in Inchenhofen erst vom 16. Jh. an verehrt.)
Dargestellt wird er zusammen mit Attributen wie gesprengten Ketten, mit Ochsen, Pferden und anderem Vieh.
(s. Heilige)