Johannes von Capestrano

Aus Mittelalter-Lexikon
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Johannes von Capestrano (J. Kapistran; 1386-1456; hl.) Sohn eines wahrscheinlich deutschstämmigen Barons, der als Lehnsmann in den Abruzzen lebte, geboren in dem Abruzzendorf Capestrano, studierte Rechtswissenschaft in Perugia, wurde dort 1412 königl. Statthalter und heiratete eine Grafentochter. Seine Gefangennahme und Einkerkerung im Verlauf des ital. Städtekrieges (1415) löste eine seelische Krise aus, die ihn zur Annulierung seiner Ehe und zum Eintritt in den Franziskanerorden veranlasste. Nach seiner Priesterweihe (1420) wurde er zu einem der bekanntesten Bußprediger seiner Zeit, trat als Inquisitor auf und diente als päpstlicher Legat und Berater. Er predigte in Deutschland, Österreich, Böhmen, Polen und in den Niederlanden gegen Sittenlosigkeit und Unbußfertikeit, gegen Putzsucht und Spielleidenschaft, gegen die Hussiten und andere Ketzer, sowie – als "Geißel der Hebräer" – gegen die Juden. In Bayern setzte er 1452 durch, dass die Juden das Wohnrecht und das Schutzrecht verloren und auf diese Weise vogelfrei wurden. In Breslau ließ er 1453 Juden so lange foltern, bis sie den ®Hostienfrevel zugaben und daraufhin verbrannt werden konnten. König Kasimir von Polen (1447-1492) erklärte auf Capestranos Drängen hin die polnischen Juden für schutzlos, was Verfolgung und Totschlag zur Folge hatte. Nach dem Fall Konstantinopels (1453) predigte und organisierte er einen Türkenkreuzzug, den er selbst begleitete. Es war seiner aufmunternden Predigt zu verdanken, dass eine schon verloren gegebene Entscheidungsschlacht bei Belgrad (1456) noch gewonnen wurde. Im gleichen Jahr starb er in Ilok (heute Serbien) an der Pest.