Karlstein

Aus Mittelalter-Lexikon
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Burg Karlstein (tschech. Karluv Tyn). 1348 gründete der Römisch-Deutsche und Böhmische König Karl IV. einen Tagesritt (ca. 30 km) südwestlich von Prag in einem einsamen Waldtal über dem Flüsschen Berounkas eine starke Burg. Diese hatte weder als Sicherung für Land- oder Wasserwege noch als Schutz für Siedlungen oder Märkte irgendeinen strategischen Wert, sondern diente dem König als Rückzugsort für seine Meditationen, als „geistliches Lustschloss“ (F. Seibt) und als fester Hort für seine gewaltige Reliquiensammlung, für die böhmischen Königsinsignien, sowie (seit 1365 und bis 1423) als Aufbewahrungsort für die Reichskleinodien (s. Kronschatz).
Die Burganlage ist stufenförmig angelegt und wird überragt von dem auf der höchsten Erhebung des Burgfelsens (72 m) gelegenen Turm. Dessen gewaltige Ausmaße betragen für die Grundfläche 17 x 25 m, für die Höhe 40 und für die Mauerstärke bis zu 7 m (a. d. Basis). Bis zum 16. Jh. war er nur über eine Zugbrücke und durch zwei Tore zu betreten. In den Obergeschossen befinden sich die kaiserlichen Gemächer und die Schatzkammer, letztere in der nach byzantinischem und orientalischen Vorbildern ausgeschmückten Hl.-Kreuz-Kapelle, deren mit Tafelgemälden, Marmortäfelchen und Edelsteinen geschmückte Wände und die vergoldeten Gewölbe einen Abglanz des Paradieses verstrahlen sollten. – Die Burg hatte keinen Zugang zu Trinkwasser. Zwar hatten Kuttenberger Bergleute einen Schacht bis zu 80 m Tiefe niedergebracht, waren jedoch nicht auf eine Wasserader gestoßen. Ein geheimgehaltener Durchstich von der Schachtsohle zu einem nahen Bach konnte jedoch Abhilfe schaffen. - 1422 hat die Burg Belagerung und Beschuss durch Prager Hussiten schadlos überstanden.